Ausgabe September 2023

Die Rückkehr des Staates – fürs Kapital

Ein staatlich subventionierter Industriestrompreis ist in der Ampel-Koalition umstritten. Abgebildet ist das Kraftwerk Jaenschwalde, 30.3.2023 (IMAGO / Andreas Franke)

Bild: Ein staatlich subventionierter Industriestrompreis ist in der Ampel-Koalition umstritten. Abgebildet ist das Kraftwerk Jaenschwalde, 30.3.2023 (IMAGO / Andreas Franke)

Seit geraumer Zeit ist in Wirtschaftspolitik wie -wissenschaft vom Comeback des Staates die Rede, nicht zuletzt durch die sogenannten Bidenomics (vgl. die Artikel von Noah Smith, in „Blätter“ 5/2021, und Grey Anderson, 8/2023). Dahinter verbirgt sich aber keinesfalls eine linke Agenda, so die These der beiden Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Jonas Becker und Rouven Reinke, sondern eine noch immer auf die Interessen großer Konzerne und ihre Profitinteressen ausgerichtete Politik.

„Trickle-down economics has never worked“: Mit diesem markanten Satz läutete US-Präsident Joe Biden vor gut zwei Jahren einen wirtschafts- und industriepolitischen Kurswechsel ein. Die basale Feststellung, dass durch Steuerentlastungen für wenige Superreiche und große Konzerne keine übermäßige Investitionstätigkeit, gesamtgesellschaftliche Wohlfahrtsgewinne sowie ökonomisch nachhaltiges Wachstum produziert werden, sollte Jahrzehnte ebendieser fatalen Politik beenden. Diese bald als Bidenomics[1] bezeichnete Rückkehr des aktiven Staates in der Wirtschaftspolitik, die sich beispielsweise im American Rescue Plan Act oder im Inflation Reduction Act widerspiegelt, steht dabei für eine wirtschaftspolitische Entwicklung, die sich inzwischen auch in der deutschen Politik immer deutlicher zeigt.

»Blätter«-Ausgabe 9/2023

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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