Ausgabe November 2023

Mehr Demokratie wagen: Kein Klimaschutz ohne Bürgerräte

Symbolbild Bürgerbeteiligung (IMAGO / Zoonar / scusi)

Bild: Symbolbild Bürgerbeteiligung (IMAGO / Zoonar / scusi)

Zum ersten Mal in seiner Geschichte hat der Deutsche Bundestag im Juli 2023 einen Bürgerrat eingerichtet, zum Thema „Ernährung im Wandel“. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas betonte dabei, dass die parlamentarische Demokratie „frische Ansätze“ brauche, um „das Vertrauen zu stärken“.[1] Zivilgesellschaftliche Bündnisse und auch einzelne Ministerien hatten bereits zuvor bundesweite Bürgerräte ins Leben gerufen, seit 2019 waren es insgesamt sieben. Tatsächlich werden die Stärken direkter Bürgerbeteiligung schon so lange betont, wie es die repräsentative Demokratie gibt – und besonders in Krisenzeiten wie der unsrigen. Speziell Bürgerräte bieten vor allem dann Vorteile, wenn grundsätzliche Empfehlungen für politische Strategien und Ziele entwickelt werden sollen. Da sie sich aus der „Mitte der Bürgerschaft“ speisen, bilden sie idealerweise zusätzliche Legitimationskraft für die gewählten Volksvertretungen, gerade bei schwierigen Gesetzesverfahren. Das vielleicht bekannteste Beispiel: 2017 empfahl ein Bürgerrat in Irland dem Parlament, das Abtreibungsverbot aufzuheben. Durch diese Empfehlung konnte die hitzige Debatte im tief katholisch geprägten Irland entspannt werden, gesellschaftlicher Konsens wurde möglich.

»Blätter«-Ausgabe 11/2023

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.