Ausgabe Juni 2025

Künstliche Einheit, tiefe Spaltung: Holocaustgedenken in Israel

Benjamin Netanjahu bei der jährlichen Holocaust-Gedenkveranstaltung in Yad Vashem, 24.4.2025 (IMAGO / UPI Photo)

Bild: Benjamin Netanjahu bei der jährlichen Holocaust-Gedenkveranstaltung in Yad Vashem, 24.4.2025 (IMAGO / UPI Photo)

„Zehn Tage der Heiligkeit“ rief der israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog zu Beginn des Holocaustgedenktags am Abend des 23. April aus. Jene zehn Tage – beginnend mit dem „Tag des Erinnerns an die Shoah und das Heldentum“ über den „Tag der Erinnerung an die Gefallenen in den Kriegen Israels und an die Opfer feindlicher Akte“ bis hin zum Unabhängigkeitstag – sollten im Zeichen der „nationalen Verantwortung“ und der Einheit stehen. Es ist einer der emotionalsten Abschnitte des jährlichen Gedenk- und Feiertagszyklus in Israel. Wenn die Gedenksirenen aufheulen, steht das Land still. Das Fernsehen stellt sein Programm um und die Logos der Sender erscheinen nur noch in Schwarz. In fast jeder Schule oder Stadtverwaltung finden lokale Veranstaltungen des Gedenkens statt.

Trotz der andächtigen Atmosphäre, die das Land normalerweise erfasst, wirkte der Appell des Staatsoberhaupts dieses Jahr weniger als präsidiale Ankündigung, sondern wie ein frommer Wunsch. Herzog berichtete in seiner Rede von den Holocaustüberlebenden, die er regelmäßig empfängt. Sie bitten, fordern, ja flehen, dass er etwas für die Einheit des Volkes unternehme, erzählte der Präsident. Doch ihr Wunsch nach Einheit sollte ebenso wie die angekündigten heiligen Tage auf dem Gelände von Yad Vashem – Israels zentraler Holocaustgedenkstätte – unerfüllt verhallen. Statt „zehn Tagen der Heiligkeit“ folgten Tage der Spaltung, Herzlosigkeit und Gewalt.

»Blätter«-Ausgabe 6/2025

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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