Ausgabe Februar 2026

Der Postuniversalismus der EU

Wehende Flaggen der Europäischen Union vor dem Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg (IMAGO / Ardan Fuessmann)

Bild: Wehende Flaggen der Europäischen Union vor dem Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg (IMAGO / Ardan Fuessmann)

Angesichts der neoimperialistischen Ambitionen der Regierung Trump, die, gemeinsam mit Russland und China, auf eine neue multipolare Großraumordnung abzuzielen scheint, wird die Europäische Union vor allem als Verteidigerin des Völkerrechts und der regelbasierten Weltordnung der Nachkriegszeit wahrgenommen. Dabei entfernt sich die EU selbst in letzter Zeit mehr und mehr von ihrer universalistischen Ausrichtung, kritisiert der Historiker Kiran Klaus Patel.

Manche Veränderungen vollziehen sich so schleichend, dass man sie kaum wahrnimmt. Eine solche Tendenz lässt sich gegenwärtig in der EU beobachten, wie drei Momentaufnahmen verdeutlichen: Im vergangenen November einigte sich die Runde der Umweltminister auf ein neues Klimaziel für 2040, das klar unter dem Vorschlag der Kommission und noch viel deutlicher unter den Empfehlungen der Wissenschaft für den Weg in eine klimaneutrale Zukunft liegt. 

Die Asylreform, die im Juni 2026 in Kraft treten wird, stellt noch stärker als die bisherigen Regelungen die Abwehr- und Sicherheitsinteressen der EU über jene von Schutzbedürftigen und über die Universalität der Menschenrechte. 

Und ebenfalls im letzten November stimmte eine Mehrheit im EU-Parlament für eine Aufweichung des Lieferkettengesetzes. Die Verpflichtung für Unternehmen, Standards wie das Verbot von Kinderarbeit und Ausbeutung einzuhalten, wurden damit deutlich reduziert.

»Blätter«-Ausgabe 2/2026

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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