Ausgabe April 2026

Resilienz als Machtfrage: Angriff auf die Infrastruktur

Hochspannungsleitungen in Bayern (IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Bild: Hochspannungsleitungen in Bayern (IMAGO / Bihlmayerfotografie)

Wenn im Winter Umspannwerke brennen, Kraftwerksblöcke ausfallen und Hochspannungsleitungen zerfetzt am Boden liegen, richtet sich die Gewalt nicht bloß gegen technische Anlagen. Vielmehr trifft sie Wohnungen, Pflegeheime, Operationssäle, Schulen – kurz: die elementaren Voraussetzungen zivilen Lebens.1 Die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur haben damit in aller Deutlichkeit vor Augen geführt, was in hoch entwickelten Gesellschaften häufig unsichtbar bleibt: Energie ist nicht bloß ein ökonomischer Produktionsfaktor. Sie ist die infrastrukturelle Grundlage moderner Existenz. Ohne Strom funktionieren weder Krankenhäuser noch Kommunikationsnetze, weder Verkehrssteuerung noch Wasserversorgung. 

Die Zerstörung von Energieinfrastruktur trifft daher nicht allein technische Systeme. Sie trifft das gesellschaftliche Leben selbst. Zeitweise waren 1,2 Millionen Haushalte in der Ukraine nach massiven russischen Angriffen ohne Stromversorgung.2 In stark elektrifizierten Gesellschaften bedeutet ein längerer Stromausfall nicht lediglich Unannehmlichkeiten, sondern eine fundamentale Störung der sozialen Ordnung. Genau darin liegt die strategische Wirkung solcher Angriffe. 

Der Krieg wirkt hier wie ein Brennglas. Er macht sichtbar, wie stark moderne Gesellschaften von komplexen technischen Systemen abhängen und wie verwundbar diese Systeme zugleich sind.

»Blätter«-Ausgabe 4/2026

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