Bild: In Noida am Stadtrand von Neu-Delhi stehen die Menschen Schlange, um ihre leeren Flüssiggasflaschen auffüllen zu lassen, 27.3.2026 (IMAGO / Anadolu Agency)
An vier Sonntagen im November und Dezember 1973 verstummte in der Bundesrepublik der Verkehr. Menschen fuhren mit dem Fahrrad über die Autobahn, Kinder sausten per Kettcar und auf Rollschuhen über die leeren Pisten. Im Ruhrgebiet flanierten Familien mit Kinderwagen dort, wo sonst Dauerstau herrschte. Weiter südlich ging es auf Langlaufskiern über Fernstraßen, durch Innenstädte trabten Reiter.
Journalisten berichteten damals von einer regelrechten Volksfeststimmung in Westdeutschland. Was wie der Traum von Klimaaktivisten klingt, war die Folge eines Ölembargos. Verhängt hatten es arabische Ölstaaten als Reaktion auf die westliche Unterstützung Israels im Jom-Kippur-Krieg. In der Folge vervierfachte sich der Ölpreis, es kam zu einer weltweiten Rezession. Auch den Bundesbürgern wurde damals schlagartig klar, wie abhängig Westeuropa von Öl aus dem Nahen Osten war.
Das ist über fünfzig Jahre her. Gelernt haben Deutschland und Europa wenig daraus. Über 95 Prozent der Autos fahren hierzulande mit Benzin und Diesel, insgesamt deckt Deutschland immer noch fast 80 Prozent seines Primärenergiebedarfs mit Öl, Gas und Kohle. Davon müssen über 90 Prozent aus anderen Ländern importiert werden. Seit Jahren warnt die Internationale Energieagentur (IEA) vor einem Szenario wie jenem, das sich seit dem 28. Februar am Persischen Golf entfaltet. Die Organisation wurde 1974 als Antwort auf die erste Ölkrise gegründet.