Ausgabe Juni 2026

Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten

Das Gemälde des Narcissus von Michelangelo Merisi da Caravaggio im Museum Barberini, 6.10.2019 (IMAGO / Camera4)

Bild: Das Gemälde des Narcissus von Michelangelo Merisi da Caravaggio im Museum Barberini, 6.10.2019 (IMAGO / Camera4)

Oft heißt es, verantwortlich für den Aufstieg der Rechten sei das Versagen der demokratischen Parteien. Doch der Rechtsruck ist auch Ausdruck einer kulturellen Krise. Bürgerschaftliches Ethos weicht ungehemmt ausgelebtem Narzissmus – vor allem im AfD-Milieu. 

Die Frage, warum Rechtspopulisten so stark sind, wird üblicherweise mit Fehlleistungen und Versäumnissen der demokratischen Parteien beantwortet – eine auf den ersten Blick plausible Erklärung, die von einfältigen Politikern sogar selbst beglaubigt wird, etwa wenn sie behaupten, man könne die AfD durch bessere Politik »wegregieren« (Alexander Dobrindt). Es handelt sich um eine Art demokratischer Selbstbezichtigung, aber nicht der eigenen Person und Partei, sondern derer, die es bisher angeblich zu schlecht gemacht hätten. Der populistische Subtext für das Wahlvolk lautet: An Euch liegt es nicht, Ihr seid eigentlich okay und habt Euch mit der AfD nur leider mal verwählt, weil ihr enttäuscht und getäuscht wurdet. Nun aber bringen wir Guten alles wieder in Ordnung und entziehen verständlicher »Protestwahl« für die Extremisten den Nährboden. Der demokratische Populist macht sich so zum Tribunal, dem man entkommt, indem man es wird1 – was allerdings nur funktioniert, wenn man in der Opposition ist oder erst kurz an der Regierung und sich mit »Erblasten« herauszureden vermag.

»Blätter«-Ausgabe 6/2026

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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