Bild: Eine pro-europäische Demonstrantin hält eine Moldau-Flagge in der einen und eine EU-Flagge in der anderen Hand, Chisinau, 29.9.2025 (IMAGO / NurPhoto)
Oberflächlich betrachtet, läuft für Moldau derzeit vieles in die richtige Richtung. Das kleine Land zwischen Rumänien und der Ukraine genießt eine Aufmerksamkeit, die ihm über Jahrzehnte verwehrt geblieben ist: Präsidentin Maia Sandu hat ihren proeuropäischen Kurs gegen erheblichen Widerstand behauptet, der EU-Beitrittsprozess ist mit der Eröffnung des ersten Verhandlungsclusters im Juni endlich in Bewegung geraten, europäische Regierungschefs wie Friedrich Merz und Emmanuel Macron beteuern bei Reisen nach Chișinău ihre Unterstützung für Moldau, und selbst die abtrünnige Region Transnistrien1 bindet sich über ihren Handel mit der EU schleichend an Europa. Wer auf diese Signale schaut, könnte den Eindruck gewinnen, Moldau sei eindeutig auf dem Weg nach Westen.
Doch blickt man genauer hin, zeigt sich ein anderes Bild. Moldaus Sicherheit ist strukturell prekär. Dass das Land heute noch in Frieden lebt, verdankt es vor allem der Ukraine: Solange Kyjiw und seine Armee standhalten, bleibt Moldau von Moskaus imperialem Zugriff zumindest militärisch verschont. 2022 wollte Russland eine Landbrücke entlang der ukrainischen Schwarzmeerküste bis nach Transnistrien schlagen, wo bis heute rund 1500 russische Soldaten stehen, doch der ukrainische Widerstand im Süden durchkreuzte dieses Vorhaben. Daher bleiben Moskau vorerst nur hybride Mittel, um seinen Einfluss in Moldau aufrechtzuerhalten.