Von der Gründung im Jahr 1956 über die historische Zäsur von 1968 bis zum Umbruch von 1989: Die „Blätter“ haben die Geschichte dieser Republik stets kritisch begleitet. Lesen Sie hier einen kurzen Abriss der Geschichte der „Blätter für deutsche und internationale Politik“.
1956: „Eine Insel der Vernunft“
Im November erscheint die erste Ausgabe der von Hermann Etzel, Paul Neuhöffer und Karl Graf von Westphalen gegründeten Blätter für deutsche und internationale Politik. Zu den frühen Herausgebern der adenauerkritischen Zeitschrift zählt auch Robert Scholl, der Vater der Geschwister Scholl. Aus den frühen Jahren, als kalte Krieger in der Bundesrepublik den Ton angeben, stammt die Einschätzung des Theologen und Mitgründers der Bekennenden Kirche Karl Barth, die Zeitschrift sei „eine Insel der Vernunft in einem Meer von Unsinn“.
1968: „Zentralorgan der APO“
An dem Aufbruch der Außerparlamentarischen Opposition von 1968 haben auch die Blätter ihren Anteil. Der „Bayernkurier“, die Hauspostille der CSU, bezeichnet sie als „Zentralorgan der APO“.
1979: Ganz im Zeichen der Friedensbewegung
Nach dem NATO-Doppelbeschluss erobert Anfang der 80er Jahre die Friedensbewegung die Straßen der Bundesrepublik – von Beginn an intensiv begleitet durch die Blätter. Das „Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt“ schreibt, in der Zeitschrift werde „die Logistik der Friedensbewegung bereitgestellt“.
1985: Der erste Demokratiepreis
Die Blätter führen den „Demokratiepreis“ ein, der in unregelmäßigen Abständen verliehen wird. Erster Preisträger ist die „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“ (Memorandum-Gruppe).
1989: In eigener Regie
Die Redakteure Karl D. Bredthauer, Klaus Naumann und Arthur Heinrich gründen, nach dem Aus für den Pahl-Rugenstein-Verlag, die „Blätter Verlagsgesellschaft mbH“ und produzieren die Zeitschrift fortan in eigener Regie – unabhängig von Parteien, Verbänden, Verlagen, Kirchen. Die Blätter behaupten sich auf diese Weise als führende politisch-wissenschaftliche Monatszeitschrift im deutschen Sprachraum.
1990: Gründung der „Blätter“-Gesellschaft
Im März 1990 gründet sich die „Blätter“-Gesellschaft (Gesellschaft zur Förderung politisch-wissenschaftlicher Publizistik und demokratischer Initiativen e.V.). In dieser Vereinigung haben sich inzwischen etwa 330 Leserinnen und Leser der Blätter zusammengeschlossen, um die Unabhängigkeit der Zeitschrift zu unterstützen.
Die Blätter verleihen den Demokratiepreis der DDR-Bürgerbewegung, vertreten durch Friedrich Schorlemmer und Wolfgang Ullmann. Die Laudatio hält Walter Jens.
1995: "WWW"
Die Blätter gehen online – die „Insel der Vernunft“ ist nun auch im Internet erreichbar.
1996: „Unentbehrlich für diese Republik“
Wissenschaftler, Journalisten, Politiker, Künstler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens rufen mit der Erklärung „Unentbehrlich für diese Republik“ dazu auf, sich für den Fortbestand der Blätter zu engagieren.
1997: Demokratiepreis an Daniel J. Goldhagen
Daniel J. Goldhagen, Autor des Buches „Hitlers willige Vollstrecker“, erhält den Demokratiepreis der Blätter. Jürgen Habermas und Jan Philipp Reemtsma halten die Laudationes auf den Preisträger.
1998: Für die Wiedergutmachung von NS-Verbrechen
Nach der konstituierenden Sitzung des 14. Deutschen Bundestages fordern die Blätter die Abgeordneten in einem Offenen Brief und mit einer Leser-Postkartenaktion auf, endlich die Initiative zur Wiedergutmachung von NS-Verbrechen zu ergreifen.
2000: Demokratiepreis an den Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte
Der Blätter-Demokratiepreis wird an den Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte e.V. und an seinen Vorsitzenden Lothar Evers verliehen. Laudatoren sind Micha Brumlik und Hildegard Hamm-Brücher.
2003: Demokratiepreis an Amira Hass
Die Blätter vergeben den Demokratiepreis an die israelische Journalistin Amira Hass. Die Laudatio hält Jens Reich.
2004: Von Bonn nach Berlin
Zum Januar zieht die Redaktion von Bonn nach Berlin – mit einem neuen Team: Redakteure sind jetzt Annett Mängel, Albrecht von Lucke, Dr. Albert Scharenberg (ab 5/2004) und Daniel Leisegang (ab 5/2005).
2006: 50 Jahre Blätter
Am 24. November feiern die Blätter im Palais in der Berliner Kulturbrauerei mit 500 Gästen ein großes Fest zum 50jährigen Bestehen.
Ende des Jahres übernehmen die vier Redakteure sämtliche Verlagsanteile von Karl D. Bredthauer, der die Blätter nach 1989 weitergeführt hatte.
2007: Demokratiepres an Seymour Hersh
Die Blätter vergeben in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin den Demokratiepreis an den US-amerikanischen Journalisten Seymour Hersh. Bundesminister a.D. Erhard Eppler und Hans Leyendecker von der „Süddeutschen Zeitung“ halten die Laudationes.
2008: editionBlätter
Nach dem großen Erfolg des 2006 erschienenen Globalisierungs-Readers „Der Sound des Sachzwangs“ veröffentlichen die Blätter zum US-Präsidentschaftswahlkampf 2008 „Quo vadis, Amerika? Die Welt nach Bush“. Ein Jahr später folgt „Das Ende des Kasino-Kapitalismus? Globalisierung und Krise“.
2010: Neuer Webauftritt
Im Februar geht die neue Blätter-Website online.
2010: Auflagenerhöhung
Im Mai erhöhen die Blätter ihre Auflage auf 9.000 Exemplare.