Das Elend der Roma und die Ökonomie der Armut | Blätter für deutsche und internationale Politik

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Das Elend der Roma und die Ökonomie der Armut

von Norbert Mappes-Niediek

Die große Armut in der Stadt kommt von der großen Powerteh her“, lässt der Dichter Fritz Reuter einen seiner Romanhelden sagen. Im 19. Jahrhundert wussten die Leser eigentlich noch, dass pauvreté nur das französische Wort für Armut ist. Analytisch kann der Spruch daher nicht recht überzeugen. Aber er gibt die Alltagserfahrung vieler Menschen präzise wieder: Wer arm ist, muss für alles teuer bezahlen.

Roma sind meistens arm. In Rumänien und Bulgarien leben knapp 80 Prozent von ihnen mit einem Einkommen von weniger als 4,30 US-Dollar pro Tag, in Ungarn sind es 40 Prozent. Unter Roma-Männern zwischen 15 und 64 Jahren hat in Ungarn nicht einmal jeder Dritte ein noch so geringes Arbeitseinkommen, bei den Frauen ist es nur ein Sechstel. Dass unter Roma große und teils extreme Armut herrscht, wird nirgendwo in Europa bestritten. Warum es aber auch mit einer „Roma-Dekade“, mit vielen nationalen „Aktionsplänen“ und einem Fokus der Europäischen Union einfach nicht besser werden will, ist inzwischen Gegenstand einer großen Ost-West-Kontroverse.

An Projekten, wie Roma in osteuropäischen Slums zu helfen wäre, mangelt es nicht, nicht einmal an Geld. Trotzdem hat das „Jahrzehnt der Roma-Inklusion“, von zwölf europäischen Staaten für die Jahre 2005 bis 2015 ausgerufen, kaum greifbare Ergebnisse gebracht. Jedes Mitgliedsland, das sind alle zwischen Tschechien im Norden bis Bulgarien im Süden gelegenen Staaten sowie Spanien, legte einen „Aktionsplan” zu Bildung, Beschäftigung, Gesundheit und Wohnen vor.[1] Das Geld kommt von der Weltbank, der privaten Soros-Stiftung, von der Europäischen Union, verschiedenen UN-Organisationen wie dem Entwicklungsprogramm UNDP, dem Flüchtlingskommissariat, von Habitat und dem Kinderhilfswerk Unicef, vom Europarat und mehreren staatlich finanzierten Roma-Agenturen. Vergeben wird es für allerlei Projekte, von denen manche sinnvoll und wirksam sind, andere weniger. In jedem Falle haben die vielen Einzelmaßnahmen in der Summe an der Lage der meisten Roma wenig geändert. Die Experten der Soros-Stiftung, die anders als die teilnehmenden Staaten und internationalen Organisationen nichts schönreden müssen, machten einige Fortschritte bei der Integration von gitanos in Córdoba und Andalusien aus. Für ungarische Roma, fanden sie, hat sich der Zugang zu preiswertem Wohnraum verbessert, für rumänische der zur Schulbildung. Sonst geschah wenig, „außer in Dokumenten“, sagt Daniela Tarnovschi, Projektkoordinatorin der Soros-Stiftung in Rumänien.

Im Osten schiebt man das anhaltende Problem auf das Verhalten und die Kultur der Roma, die nicht arbeiten wollen, ihre Kinder nicht zur Schule schicken, alles Geld immer gleich wieder ausgeben und zu viel trinken. Im Westen schiebt man es dagegen auf die Diskriminierung durch rassistische Spießer. An beidem ist etwas dran. Aber in der Substanz des Arguments ist beides falsch.

Integration auf kommunistisch

Der Bukarester Soziologe Cătălin Zamfir, Jahrgang 1941, hat nach dem Ende des Ceaușescu-Regimes gemeinsam mit seiner Frau Elena die erste große Studie zur Situation der Roma in Rumänien erstellt.[2] Eigentlich hätte die Untersuchung in ein nationales Programm münden sollen. Daraus wurde nichts. „Schuld“, sagt Zamfir 20 Jahre später, „war zum einen die Wirtschaft: Es gab einfach kein Geld.“ Genauso schuld sei aber die westliche Politik gewesen, die die vorhandenen Hilfsgelder falsch eingesetzt habe – zum Schutz vor Diskriminierung nämlich.

Während die Experten aus dem Osten auf die wirtschaftliche und soziale Situation der Roma verwiesen hätten, sei es denen aus dem Westen immer nur um den Kampf gegen Diskriminierung gegangen. Für viele gut gemeinte Initiativen hat Zamfir nur Spott übrig – etwa für ein großes Forschungsprogramm gegen Mobbing am Arbeitsplatz. Ob das denn wohl schlimmer sei, als mangels Job gar nicht gemobbt werden zu können? Wenn Zamfir von dem „System“ spricht, von dem die Roma ausgeschlossen sind, dann meint er vordergründig den Arbeitsmarkt. Aber der eigentlich Schuldige ist für ihn der Kapitalismus. Der Professor ist Mitglied der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und damit eine Säule der postkommunistischen Geisteswelt.

Und Zamfir hat gute Argumente. 1990, nach dem Sturz des Diktators, gab es in Rumänien noch 8,4 Mio. Arbeitsplätze, heute sind es 4 Mio. Nicht alle Arbeitslosen und Emigranten von heute sind Roma, aber fast alle Roma sind arbeitslos oder gehen ins Ausland. Die Roma waren die ersten, die entlassen wurden. Nicht oder nicht vorrangig wegen der Vorurteile der anderen, so Zamfir, sondern weil sie schlechter ausgebildet und mehrheitlich überhaupt erst auf dem Wege waren, sich an den modernen Lebensstil anzupassen. Die offizielle Politik der Kommunisten sei zwar auf „ethnische Homogenisierung“ und „Assimilation“ angelegt gewesen, in Sachen Armutsbekämpfung sei sie aber nicht ohne Erfolg geblieben. „In den 60er und 70er Jahren“, sagt Zamfir auf der soliden Basis einer Untersuchung von über 3000 Haushalten, „hatten die Roma eine bessere Ausbildung und bessere Jobs als heute.“ Mit dem Ausschluss aus dem System seien sie dann notgedrungen in die Solidarität ihrer Familienclans, in die Dörfer und in primitive Landwirtschaft zurückgekehrt. Die Geburtenrate stieg wieder stark an. „Die Bildung“, habe er sich Anfang der 90er Jahre noch gedacht, „die bleibt doch wenigstens! Die kann man nicht zerstören!“ Aber selbst da, sagt Zamfir bitter, habe er sich eines Besseren belehren lassen müssen. „Man muss einfach nur die Buslinie einstellen, dann können die Kinder nicht mehr zur Schule fahren. So einfach ist das.“

Von der Integration zum Ausschluss

Tatsächlich waren die allermeisten Roma in kommunistischer Zeit nicht nur in Rumänien ins Arbeitsleben integriert.[3] Werksbusse fuhren über Land und holten die arbeitsfähigen Roma in die Fabriken, wo sie anfangs den Hof fegten und später dann an den Maschinen eingesetzt wurden. Produktive Arbeit war ein Recht, aber auch eine Pflicht. Wie alle anderen sollten die Roma Teil des „werktätigen Volkes“ werden; die traditionellen, wenig produktiven Handwerke und erst recht der Handel, auch der Kleinhandel, und die Herumreiserei waren den Kommunisten suspekt. Was sie an überkommener Lebensweise antrafen, würde sich mit der Zeit geben, dachten die Kommunisten. Würden die „Lumpenproletarier“ erst an regelmäßige Arbeit gewöhnt, so würden sie auch ihre ungewöhnlichen Verhaltensweisen ändern, an festen Orten wohnen und sich um einen Platz im Reihenhaus bewerben, die Kinder in den Kindergarten geben und überhaupt das Leben eines anständigen Werktätigen führen.

Wo das richtige Bewusstsein sich nicht rasch genug einstellte, wurde nachgeholfen, in Ungarn und Rumänien etwa mit der Beschlagnahme und Zerstörung von Pferdewagen. In der Tschechoslowakei unternahm die Partei Mitte der 60er Jahre den Versuch, die großen Roma-Ghettos im slowakischen Osten aufzulösen und die Bewohner in den tschechischen Westen umzusiedeln. In keiner Gemeinde sollte der Roma-Anteil über fünf Prozent liegen.

Die Strategie erreichte, was sie erreichen sollte. Noch 1960 waren etwa in Ungarn 35 Prozent der Roma ohne ordentliches Beschäftigungsverhältnis, und weitere 32 Prozent waren bloß Gelegenheitsarbeiter. 20 Jahre später gab es so gut wie keine beschäftigungslosen Roma mehr. Der Anteil der Gelegenheitsarbeiter war auf 15 Prozent geschrumpft, und die übrigen 85 Prozent hatten einen permanenten Job. In der Folge glichen sich auch die Lebensverhältnisse rasch einander an. Was die Versorgung mit Kühlschränken, Fernsehapparaten und Autos angeht, begann sich die Lücke zwischen Minderheit und Mehrheit zu schließen.

Die „samtene Revolution“ kommt mit der Scheuerbürste

Gemeinsam ist Kommunisten und Postkommunisten in Osteuropa die Überzeugung, dass die tiefere Ursache der Armut und der sozialen Randstellung der Roma ihr überkommenes Verhalten sei. Zu sozialistischer Zeit unterzog sich die Partei der Aufgabe, die unordentlichen Roma zu ordentlichen Proletariern zu erziehen. Wenn es nicht vollständig gelang, dann nur, weil die „samtene Revolution“ um das Jahr 1990 das Projekt jäh unterbrochen hat. Heute dagegen ist jeder seines Glückes Schmied, so die allgemeine Überzeugung. Wer nicht will, der hat schon. Bei einer Bevölkerung, der nichts geschenkt wird, kommen Hilfsprogramme für angebliche Arbeits- und Schulverweigerer, Kleinkriminelle, Verschwender und Alkoholiker nicht gut an.

Für die Roma kam die „samtene Revolution“ mit der Scheuerbürste; der Trend zur Integration kehrte sich in allen mittel- und osteuropäischen Ländern augenblicklich um. Wo die Hälfte der Arbeitsplätze wegfiel, braucht es nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, warum unter den vielen Betroffenen auch so gut wie alle Roma zu finden waren. Sie hatten die schlechtesten Jobs und die schwächste Stellung bei den Betriebsführungen. Sie waren noch immer am schlechtesten ausgebildet. Als die Wirtschaft sich langsam wieder zu erholen begann, tat sie es ohne die Roma. Sie hatten schon vor dem Kommunismus nichts besessen und gingen bei der Rückerstattung von Grund und Boden ebenso wie bei Privatisierungen entsprechend leer aus. Bildung war in der Marktwirtschaft noch wichtiger als im Sozialismus. Was die meisten Roma davon mitbekommen hatten, reichte nicht aus. Zu allem Überfluss feierte, als bezahlte Arbeit knapp wurde, überall die persönliche Patronage fröhliche Urständ; auch dabei fiel für die Roma nichts ab.

Was dann noch an Erklärungsbedarf bleibt, mag man mit ethnischer oder „rassischer” Diskriminierung auffüllen. Mit mehr gesellschaftlicher Anerkennung und mehr Wertschätzung für Roma, wie EU und Europarat sie für die osteuropäischen Roma forderten, hätten aber wohl höchstens einer oder zwei von hundert Roma ihren alten Arbeitsplatz behalten. Stattdessen hätte man dann einen oder zwei andere Rumänen entlassen.

Allerdings waren Diskriminierung und öffentliche Herabwürdigung von Roma durchaus auch schon zu sozialistischer Zeit üblich. Die Strategie, die Außenseiter in rechtschaffene Angehörige des werktätigen Volkes zu verwandeln, machte die Roma zu Objekten der Pädagogik, zu Kindern, und rief das Mehrheitsvolk in die Lehrerrolle. Wer von den kommunistischen Behörden belehrt, geschurigelt und zu Bekenntnissen gezwungen wurde, konnte seinen Ärger darüber nach unten weitergeben. In ungarischen Dörfern erschien im Jahrestakt die Armee und führte kollektive Waschaktionen durch: Männer, Frauen und Kinder mussten sich unter den Augen der Soldaten mal so richtig sauber schrubben – eine öffentliche Erniedrigung, die auf der einen Seite so empfunden und auf der anderen genau so gemeint war.

In der sozialistischen Tschechoslowakei schließlich wurde Roma-Frauen sogar Geld angeboten, damit sie sich sterilisieren ließen. Noch am liberalsten war der Umgang mit Roma eigenartigerweise in der stalinistischen Phase. Schüchterne Versuche einer kulturellen Emanzipation der Roma, wie eigene Klubs, Theater, Interessenvertretungen, wichen in den Ländern des Ostblocks, in der Tschechoslowakei ebenso wie in Polen, der Sowjetunion, Ungarn und Rumänien, ab Mitte der 50er Jahre einer rigorosen Assimilierungspolitik. In Bulgarien schlossen die Kommunisten alle Roma-Einrichtungen. Meist Muslime, mussten sie sogar ihre Namen gegen slawische eintauschen. In Rumänien wurden die Roma öffentlich totgeschwiegen und unter den „mitwohnenden Nationalitäten” wie den Ungarn oder Deutschen nicht aufgezählt. „Diskriminierung” war das im eigentlichen Sinne des Wortes nicht; die Roma sollten von allen anderen eben nicht „diskriminiert”, also unterschieden werden. Aber wie so oft ließ sich im Schutz proklamierter Gleichheit besonders effizient diskriminieren.

Die Osteuropäer und ihre Roma

Trotz des eindeutigen Befunds wird die schlechte Behandlung der Roma von der Mehrheit der Osteuropäer geleugnet. Man versteht sich selbst mindestens ebenso wie die Roma als Opfer und hält sich als solches zu Ungerechtigkeit oder gar Unterdrückung für unfähig. Wenn einer etwas zu verteilen hat, dann ist das nach der Vorstellung der meisten der Staat, und der bevorzugt unfairerweise mit besonderen Hilfs- und Förderprogrammen die Roma. „Die Gesellschaft“ und damit jeden Einzelnen als selbstständigen Akteur haben viele gar nicht auf dem Schirm. Besonders den Dorfbewohnern in den Übergangsländern ging und geht es tatsächlich schlecht. Im ungarischen Gyöngyöspata brach im vergangenen Jahr die hassgetriebene Hysterie gegen die Roma in dem Moment aus, als die Finanzkrise dort angekommen war. Arme Roma stehen potentiell in Konkurrenz zu armen Ungarn, Rumänen, Slowaken: So stellt sich die Lage für die Mehrheit dar.

Es ist aber nicht nur der Futterneid; die Roma stehen auch für eine Kränkung. Die verarmende Landbevölkerung in Ungarn, der Slowakei oder Rumänien hatte die absurde, oft chaotische Planwirtschaft mit altbäuerlichen Tugenden wie Sparsamkeit, Fleiß und Disziplin überstanden. Dem sozialistischen System, fand man auf dem Lande, haftete dagegen etwas Windiges, „Zigeunerisches“ an. Seine Unehrlichkeit, die Geschwätzigkeit, die Unordnung, das Renommieren galten als klassische „zigeunerische“ Gebrechen. Von Ceaușescu hielt sich zu dessen Lebzeiten hartnäckig das – im Übrigen unzutreffende – Gerücht, er sei ein Zigeuner gewesen. Nach der Wende mussten die Bauern erfahren, dass ihr Fleiß in der Marktwirtschaft noch weniger zählt als im Sozialismus, „zigeunerische“ Eigenschaften dagegen mehr. Dass die realen Roma von der „Verzigeunerung“ ihres Landes überhaupt nicht profitieren, spielt dabei nur eine mindere Rolle. Sie sind die Geier, die sich über den Leichnam einer kleinbürgerlichen Existenz hermachen, oder die Raben, die das neue Unheil ankündigen. „Raben“ ist in Rumänien ein beliebtes Schimpfwort für Roma. In jedem Falle gehören sie abgeschossen.

Roma in Westeuropa

Doch auch im Westen grassieren die Vorurteile gegenüber den Roma. Wer Ohren hat zu hören, kann seit der Jahrtausendwende in jeder Debatte über die EU-Osterweiterung, um Freizügigkeit in Europa und die Ausdehnung des Schengen-Raums einen scharfen Unterton vernehmen. Westeuropas Regierungen haben vor den Roma Angst, und sie wehren sich mit harten, aber unwirksamen Methoden.

In Italien wird die Zahl der Roma auf 120 000 bis 160 000 geschätzt; etwa die Hälfte von ihnen ist im Ausland geboren, meistens im ehemaligen Jugoslawien und in Rumänien. Etwa 18 000 leben in sogenannten „Lagern“ bei Rom, Mailand und Neapel. In Deutschland kommen von den etwa 70 000 bis 140 000 Roma die meisten aus dem früheren Jugoslawien, vor allem aus Serbien, Bosnien, dem Kosovo und Mazedonien, aber auch immer mehr aus Rumänien und Bulgarien. Unter Österreichs 20 000 bis 30 000 Roma sind etwa fünf Sechstel Zuwanderer oder deren Kinder. Spanien zählt eine halbe Million Roma, Frankreich einige Hunderttausend. Die an die 100 000 in Griechenland stammen zu einem großen Teil aus Albanien und dem Kosovo, aus Bulgarien und Mazedonien. Von den etwa 100 000 Rumänen in Großbritannien sollen zwischen fünf und zehn Prozent Roma sein.

Wie für die meisten EU-Länder gibt es auch für Deutschland keine verlässlichen Zahlen; nirgends, auch nicht bei der sonst so gut informierten International Organisation for Migration (IOM) werden Roma-Wanderungen gesondert erfasst. Die präzisesten Zahlen sind in Belgien zu haben: Von den etwa 30 000 Roma aus Südosteuropa leben die meisten in Flandern und in Brüssel, wo sich allein zwischen 15 000 und 20 000 niedergelassen haben; in Antwerpen sind es 4000, meist aus Ex-Jugoslawien, in Gent zwischen 4300 und 5000, zumeist Rumänen. Auch aus Deutschland sind solche Herkunftsschwerpunkte bekannt: In Köln kommen die meisten aus Serbien und Mazedonien, in Frankfurt aus Rumänien, in Münster aus dem Kosovo.[4]

Wertet man alle Indizien aus, so darf man annehmen, dass aus Ländern wie Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Serbien etwa zehn Prozent der Roma heute im Westen leben. Sehr viel höher noch ist der Prozentsatz bei den Roma aus dem Kosovo. Viele wurden vom und nach dem Krieg der Jahre 1998 und 1999 vertrieben. Andere, die schon vorher ausgereist waren, durften lange Zeit nicht zurückgeschickt werden. Weil sie damit Abschiebeschutz genossen, gaben sie ihre Zugehörigkeit zu den Roma ausdrücklich an. So kennt man ihre Zahl in Deutschland genau: Es waren 34 411 Menschen. Die meisten Zuwanderer der Nachwendezeit kommen aus den städtischen Zentren und damit aus der „Mittelschicht” der Roma, wenn man die nicht ganz Elenden so nennen will. Die Älteren unter ihnen, deren Kindheit 1990 schon vorbei war, haben oft einen Hauptschulabschluss. Viele hatten Arbeitsplätze, nicht wenige verfügen über eine Berufsausbildung. Zu Hause haben sie in Roma-Quartieren, aber auch in gemischten Arbeiter-Stadtteilen gewohnt.

Die dumme Idee von der Dummheit der Roma

Dass es in den Aufnahmestaaten Integrationshindernisse gibt und dass Roma-Kinder an vielen Schulen nicht willkommen sind, kann niemand ernsthaft bestreiten. Andere Minderheiten aber, so wird eingewandt, begreifen die widrigen Verhältnisse als Herausforderung und fordern vom Staat eine angemessene Ausbildung ein, wenn sie sie nicht gar selbst organisieren. Widrige Verhältnisse dienten dazu, die Spreu vom Weizen zu trennen. So wird neuerdings in einigen westlichen Ländern, zum Beispiel in Deutschland und den Niederlanden, gegenüber Migrantinnen und Migranten argumentiert: Türken und Araber, heißt es dann, nehmt euch ein Beispiel an den eingewanderten Vietnamesen und Chinesen! Die nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand! Die Roma aus Osteuropa gehören dabei selbstverständlich zur Spreu. Wer sich den „toughen“ Lebensregeln der Zuwanderungsgesellschaft nicht unterwirft, hängt entweder einer rückständigen, irrationalen Kultur an, oder es mangelt ihm einfach an Intelligenz.

Westliche Gesellschaften geben, wenn sie sich auf diese Logik einlassen, ihren moralischen Vorsprung gegenüber den offen diskriminierenden im Osten bereitwillig preis. Sogar die Abschiebung von Roma-Kindern in Sonderschulen, die in Rumänien gerade überwunden wurde, hält in einigen entwickelten Demokratien Westeuropas wieder Einkehr. Das schlichte Argument dafür ist, dass Roma eben dümmer seien als andere.

Geistiger Vater dieser These ist der Leipziger Intelligenzforscher Volkmar Weiss.[5] Er beruft sich wiederum auf zwei umstrittene Amerikaner, Richard Herrnstein und Charles Murray, die 1994 zum Entzücken rechter Republikaner die mindere Intelligenz der Schwarzafrikaner meinten bewiesen zu haben.[6] Der Deutsche Weiss errechnet für die Roma einen „mittleren Intelligenzquotienten“ von 85 – Minderbegabung an der Grenze zur Debilität also. Der Mühe, auch nur ein Roma-Kind auf seine Intelligenz zu testen, hat Weiss sich gar nicht erst unterzogen. Auf die Zahl kommt er vielmehr indirekt. Viele Roma gehen auf Sonderschulen, wenige auf die Universität. Man nehme also den Durchschnitts-IQ von Sonderschülern und den von Studierenden und lege ihn auf den Roma-Anteil in beiden Schulformen um. So kommt man auf 85 – ein Gedankengang, der wenigstens für einen Intelligenzforscher als ungewöhnlich gelten muss. Dass Roma-Kindern eben ungeachtet ihrer wirklichen Intelligenz pauschal Dummheit unterstellt wird und dass ihre Eltern sich gegen die Klassifizierung vielleicht gar nicht wehren können oder dass man Kinder auch aus anderen Gründen als ihrer niedrigen Intelligenz auf Sonderschulen schicken könnte, das alles kommt dem Forscher überhaupt nicht in den Sinn. Trotzdem erfreuen sich die Konstruktionen großer Beliebtheit. Ein noch etwas gröberes Muster hat der tschechische Forscher Petr Bakalář popularisiert: Obwohl von der „Rasse“ her „europid“, habe sich unter den Roma eine „negroide“ Selektion der Gene entwickelt, die zu niedriger Intelligenz führe.

Manche Forscher geben sich zur Untermauerung ihrer These von der Dummheit der Roma mehr Mühe; wenn auch wohl nicht genug. Ein Team aus kanadischen und serbischen Wissenschaftlern testete tatsächlich 323 Roma in drei verschiedenen Siedlungen in Serbien auf ihre Intelligenz und kam auf einen Durchschnitts-IQ von 70. Aussagekräftig im Sinne der Volkmar-Weiss-Anhänger wäre das Ergebnis allerdings nur dann, wenn die Forscher eine ethnisch-serbische Vergleichsgruppe mit ähnlicher Bildung, ähnlichem Einkommen und ähnlicher Wohnsituation gefunden hätten.

Auch sonst ist ihre Studie nicht frei von Absurditäten: So werden die serbischen Roma aus genetischen Gründen zu den „Südasiaten“ gerechnet, und die Autoren schreiben, die Roma hätten sich seit ihrer Ankunft in Europa „mit eingeborenen Europäern meistens nicht vermischt“ – eine kühne Behauptung, die gerade von genetischen Studien widerlegt wird. Sie wollen auch sicher nur die reine Intelligenz getestet haben, sonst nichts: Auf „kulturelle Effekte“ fanden sie „keinen Hinweis“. Dabei springen diese kulturellen Effekte schon dem Laien ins Auge. Drei von vier zitierten Fragekomplexen sind rein sprachlich: die Definition von Substantiven, die Suche nach gegensätzlichen Adjektiven, der Test auf das Sprachgedächtnis. Wie und wie viel die Getesteten überhaupt mit Sprache umgehen, und mit welcher Sprache, gibt den Forschern nicht zu denken. Beim Zeichentest bleibt unberücksichtigt, ob die Probanden mit Papier und Stift je zu tun hatten.[7]

Wie man systematisch Zurückgebliebene produziert

Wer kulturelle oder soziale Besonderheiten von „reiner” Intelligenz unterscheiden will, muss schon etwas mehr Phantasie entwickeln. In einem slowakischen Test sollten Roma-Kinder zum Beispiel eine Vase zusammensetzen. Dass Kinder, die keine Vase im Haus und möglicherweise nie eine gesehen haben, dabei benachteiligt sein könnten, kam den Psychologen nicht in den Sinn. Dabei ist die Problematik solcher Tests der Wissenschaft sehr wohl bekannt. Sie produzieren sogenannte „scheinbar zurückgebliebene“ (pseudo-retarded) Kinder, die außerhalb des Tests keinerlei Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu bewältigen.

Natürlich bemühen sich Forscher, die ganzen Völkern und Bevölkerungsgruppen Dummheit nachweisen wollen, um kulturbereinigte Tests, die bei allen Menschen auf der Welt unabhängig von ihrer Lebenssituation gleich aussagekräftig sein sollen. Aber den wichtigsten kulturellen Effekt kann auch der beste Test nicht ausschalten: Wer Testsituationen kennt, zum Beispiel aus der Schule, geht ganz anders mit ihnen um. Wer so etwas nicht kennt, stellt sich nicht so gut darauf ein, zeigt weniger Interesse, ist ängstlicher, arbeitet weniger effizient und gibt schneller auf. Das ficht die interessierten Intelligenzforscher nicht an. Im Bestreben, das Einkommens- und Entwicklungsgefälle auf der weiten Welt auf angeblich ererbte Intelligenzunterschiede zurückzuführen, zeichnen sie inzwischen ganze „Weltkarten der Intelligenz“, auf denen der Grips in Ostasien, die Dummheit dagegen in Afrika zu Hause ist. Westeuropa und die USA liegen danach nur deshalb nicht an der Weltspitze, weil sie so viele dumme Einwanderer ins Land gelassen haben.

Der Teufel steckt bei solchen verblüffenden Forschungsergebnissen allerdings im Detail. So wunderten sich Wissenschaftler darüber, wie mühelos vierjährige Kinder in China mit dreistelligen Zahlen hantieren, während bei gleichaltrigen Europäern spätestens bei der Zahl 50 Schluss ist – bis sie darauf kamen, dass Zahlwörter im Chinesischen viel leichter zu bilden sind als in den indoeuropäischen Sprachen.

Was Intelligenz eigentlich ist, gerät gar nicht ins Blickfeld der Forscher; sie tun so, als handele es sich um eine objektive Größe, die man wie die weißen Blutkörperchen unter dem Mikroskop zählen kann und die von Bildung, Stimulation und den Erfordernissen der Lebensumwelt ganz unabhängig wäre. Intelligenz ist aber die Fähigkeit, mit Problemen fertig zu werden, und Probleme kann man sehr verschiedene haben. Würde man zehn Franzosen und zehn Mauretanier in die Wüste Wasser suchen schicken, sähen die Franzosen wahrscheinlich ziemlich dumm aus. Für die Mauretanier aber wäre es ein passabler Intelligenztest.

Die Ökonomie der Armut: Von der Unvernunft vernünftigen Sparens

Kurzum: Die einen, ganz gleich ob im Osten oder im Westen, machen die Kultur, andere die Mentalität und wieder andere die mangelnde Intelligenz der Roma dafür verantwortlich, dass sie auf die gut gemeinten Stimuli von Staat und Mehrheitsgesellschaft so schwach reagieren. Gemeinsam ist allen drei Erklärungsversuchen die Annahme, dass die Roma sich unangemessen verhalten würden – indem sie nicht genug arbeiten, nicht ehrgeizig genug nach Bildung streben, keine Vorsorge treffen. Das wiederum tun sie nicht, weil sie angeblich nicht anders können: weil sie entweder zu dumm oder aber in den Regeln einer vormodernen Nomadenkultur gefangen sind.

Aber die Grundannahme hinter der Strategie der „Ermutigung“ ist falsch: Roma, die heute in den meisten Fällen in Elendssiedlungen leben, verhalten sich gar nicht unangemessen. Wer etwa den Menschen von der großen Müllsiedlung in Pata-Rât, nahe der rumänischen Stadt Cluj, rät, sich mal ordentlich auf die Hinterbeine zu setzen, zu schuften, zu büffeln und auf einen Handkarren zu sparen, ist nur nicht bereit, sich wirklich auf ihre Verhältnisse einzulassen. Was sinnvolles Handeln ist und was nicht, leiten wir aus unserer geordneten Lebenswelt ab. Wer brav lernt, kriegt später einen guten Job, wer mehr arbeitet, verdient mehr Geld, und wer für schlechte Tage etwas beiseitelegt, muss im Notfall nicht hungern. Das ist die Ökonomie der Bessergestellten; sie gilt nicht nur für Wohlhabende, sondern auch für Menschen mit niedrigem, aber einigermaßen ausreichendem Einkommen. Daneben gibt es aber auch eine Ökonomie der Armut. Sie gehorcht ganz anderen Gesetzen. Weniger vernünftig ist sie deshalb aber nicht.

Menschen, die in Elendssiedlungen hineingeboren wurden und deren grundlegende Bedürfnisse dauernd unerfüllt bleiben, vergleicht der Philosoph und Armutsforscher Charles Karelis mit Schmerzpatienten.[8] Beide leiden ständig. Wenn man Schmerzpatienten fragt, wünschen sie sich nicht, an dieser oder jener Körperstelle etwas weniger Schmerzen zu haben. Sie wünschen sich vielmehr einen einzigen schmerzfreien Tag – und zwar aus gutem Grund und nicht etwa, weil sie wegen der starken Schmerzen apathisch oder irgendwie unzurechnungsfähig wären.

Karelis greift zu einem etwas gesuchten, aber treffenden Beispiel: Nehmen wir einen Menschen, der jeden Morgen mit zwei schmerzenden Wespenstichen aufwacht und jeden zweiten Tag auf seinem Nachttisch zwei Tüpfelchen Salbe findet. Nach der Ökonomie der Bessergestellten wird der Mensch jeden Tag ein Tüpfelchen Salbe sparen, damit er auch am anderen Morgen eines hat. Mit dem einen Tüpfelchen kann er den Schmerz von einem der beiden Stiche heilen. Der andere tut dann aber immer noch weh; die Linderung, die er verspürt, liegt unter 50 Prozent. Nimmt er aber beide Dosen auf einmal, so hat er auf zwei Tage gerechnet seine Schmerzen um die Hälfte reduziert.

Auf die Situation der Leute von Pata-Rât bezogen heißt das: Es ist einfach nicht vernünftig, sich immer nur halb satt zu essen. Wenn man sich immer nur halb satt isst, hat man immer Hunger. Isst man sich dagegen jeden zweiten Tag satt, so hat man vielleicht am anderen Tag etwas mehr Hunger als im halbsatten Zustand, kommt unter dem Strich aber besser weg.[9]

Mehr arbeiten führt, wenn man kaum Geld dafür bekommt, nicht zur Zufriedenheit, sondern höchstens zu etwas weniger Unzufriedenheit. Sparen kann man, wenn man in einer Elendssiedlung lebt, so wenig, dass man sich mit dem Ersparten für die zusätzlichen Entbehrungen nicht schadlos halten kann. Der Aufwand, den man selbst für kleine Verbesserungen treiben muss, steht zum Ertrag in keinem angemessenen Verhältnis.

Mit seiner Vorliebe für schräge Beispiele vergleicht Karelis die Übel, mit denen verelendete Menschen sich herumschlagen müssen, mit Schreihälsen auf der Straße. Bringt man in einem großen öffentlichen Krawall einen Einzigen von ihnen zum Schweigen, so treibt man zwar viel Aufwand, erzielt aber keinen messbaren Erfolg. Auf einer sonst ruhigen Straße aber macht es einen großen Unterschied, ob man einen Schreihals zum Schweigen bringt oder nicht. Mitten im Krawall ist es einfach nicht sinnvoll.

Mit individuellen Defiziten hat die Ökonomie der Armut nichts zu tun

Das ist die Ökonomie der Armut. Sie ist in sich logisch und damit zwingend, entziehen kann man sich ihr nicht. Wer diesem Problem mit Anreizen, Belehrungen und Volkshochschulkursen beikommen will, produziert im besten Fall Scham, im schlimmsten Fall Hass. Mit Kultur oder mit individuellen Defiziten hat die Ökonomie der Armut nichts zu tun; sie gilt für Roma in Südosteuropa ebenso wie für die Slumbewohner auf der ganzen Welt und irgendwann in der Zukunft, wenn der Hilfesatz die Grundbedürfnisse nicht mehr erfüllt, vielleicht auch für Hartz-IV-Empfänger im reichen Deutschland.

All das spricht nicht grundsätzlich gegen die Politik der Anreize und der Ermutigung, die überall auf der Welt die Politik der bloßen Verteilung abgelöst hat. Es zeigt aber, dass Anreiz und Ermutigung nur funktionieren, wenn Menschen nicht im permanenten Notstand leben. Zu essen muss jeder genug haben und auch sicher sein können, dass sich das morgen nicht ändert. Und Wohnungen müssen – zumindest auf dem Balkan und nördlich der Alpen – im Winter beheizbar sein. Denn: Wer planvoll leben – und lernen – soll, braucht wenigstens eine elementare Gesundheitsversorgung. It’s the Menschenrechte, stupid!

Manchmal sind die Antworten auf komplizierte Fragen tatsächlich ganz einfach. Als „Roma-Problem“ lassen sich die Probleme der Roma und die Probleme mit ihnen jedenfalls nicht lösen. Wenn etwas besser werden soll, müssen die Probleme zunächst bei ihrem richtigen Namen genannt werden. Sie heißen Armut, Arbeitslosigkeit, Bildungsmisere oder unterfinanziertes Gesundheitswesen. Sie zu lösen ist teurer und weniger bequem als die Gründung und Finanzierung eines weiteren Roma-Beirats. Westeuropa braucht eine Modernisierung von Bildungswesen und Verwaltung, Osteuropa zusätzlich ein Infrastrukturprogramm, nicht nur wegen der Roma. Aber wenn wir uns den nötigen Reformen nicht stellen, bleibt auch die große europäische Strategie zur Emanzipation der Roma bloß billige Heuchelei. 

Dieser Beitrag basiert auf „Arme Roma, böse Zigeuner“, dem jüngsten Buch des Autors, das soeben im Ch. Links Verlag erschienen ist.

 

 


[1] Albanien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien, Serbien, Slowakei, Spanien, Tschechien und Ungarn.

[2] Vgl. Elena und Cătălin Zamfir, Ţiganii între ignorare şi îngrijorare (Zigeuner zwischen Ignoranz und Sorge), Bukarest 1993. Eine Darstellung zur Geschichte der Roma im rumänischen Sozialismus und danach findet man bei Sonja Schüler, Die ethnische Dimension der Armut. Roma im postsozialistischen Rumänien, Stuttgart 2007.

[3] Zu den Erfolgen der Roma-Politik im sozialistischen Ungarn vgl. Michael Stewart. Time of the Gypsies, Boulder/Colorado 1997.

[4] Die Zahlen über die Roma-Migration stammen zum Teil aus einem Bericht der Europäischen Grundrechteagentur: FRA, The situation of Roma EU citizens moving to and settling in other Member States, Wien 2009, http://fra.europa.eu, zum Teil auch aus dem Bericht über eine Umfrage unter Städten in den Benelux-Staaten, www. benelux.int/pdf/pdf_nl/dos/dos24_instroom_nl.pdf. Einen guten Überblick, verbunden mit einer treffenden Analyse, findet man bei Gerald Knaus und Alexandra Stiglmayer, Balkan asylum seekers and the spectre of European hypocrisy, 4.10.2011, http://euobserver. com.

[5] Volkmar Weiss, Die IQ-Falle. Intelligenz, Sozialstruktur und Politik, Graz 2000.

[6] Richard Herrnstein und Charles Murray, The bell curve, New York 1994.

[7] J. Philippe Rushton, Jelena Čvorović und Trudy Ann Bons, General mental ability in South Asians: Data from three Roma (Gypsy) communities in Serbia, in: „Intelligence“, 1/2007, S. 1-12, http://psychology.uwo.ca. Dass die getesteten Roma keinesfalls behindert, sondern pseudo-retardiert sind, fällt eigentlich allen einigermaßen vorurteilsfreien Forschern auf. Sie ziehen aus ihrer Beobachtung bloß unterschiedliche Schlüsse. Manche staunen auch einfach nur. Eine rumänische Untersuchung zum Beispiel kam bei Roma auf einen Durchschnitts-IQ von 55. „Dabei zeigten sie alle normale Fähigkeiten im Gespräch“, wunderte sich die Forscherin, „alle argumentierten schlüssig. Weder Erwachsene noch Kinder waren abnorm, wie der IQ glauben machte.“ (Tatiana Dumitrasc, Family Factors of Child Development. A comparative psychological study of three populations, Timișoara 1998).

[8] Vgl. Charles Karelis, The Persistence of Poverty. Why the economics of the well-off can’t help the poor, New Haven und London 2007. Das schmale, aber sauber argumentierte und glänzend geschriebene Buch sollte jeder lesen, der über Armut nachdenkt.

[9] Zum Umgang mit der Zeit in der Ökonomie der Armut vgl. Sophie Day, Evthymios Papataxiarchis und Michael Stewart (Hg.), Lilies of the field. Marginal people who live for the moment, Boulder/Colorado 1999.

 

(aus: »Blätter« 12/2012, Seite 73-83)
Themen: Armut und Reichtum, Europa und Sozialpolitik

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