Ausgabe Juni 2014

Um die Wurst

Conchita sei Dank! Wer noch immer fürchtet, der Konflikt zwischen Russland und dem Westen könne mit Waffen ausgetragen werden, wurde beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen eines Besseren belehrt: Musik reicht! Kaum stand die österreichische Drag Queen auf der Bühne, kamen sämtliche homophobe Russen aus der Deckung. „Euro-Homos, schmort in der Hölle“, twitterte der Kommunalpolitiker Witali Milonow. Und Wladimir Schirinowski, Chef der rechtspopulistischen Liberal-Demokraten – die Betonung liegt bekanntlich auf liberal – war völlig konsterniert: „Da unten gibt es keine Frauen und Männer mehr, sondern ein Es.“

Verfluchtes „Gayropa“: Offensichtlich bringt Conchita das klare Geschlechterbild der wahren Russen völlig in Unordnung. Die Konsequenz liegt für Schirinowski auf der Hand: „Vor 50 Jahren hat die sowjetische Armee Österreich besetzt, es freizugeben war ein Fehler, wir hätten bleiben sollen“. Da nun allerdings Österreich – anders als die Ukraine – beim besten Willen nicht mehr okkupierbar ist, muss Russland zum bewährten Mittel der Abschreckung greifen und eine musikalische Grenze errichten. Genauer: einen antifaschistischen Schutzwall. Schließlich erkennt nicht nur Wladimir Jakunin, seines Zeichens Chef der russischen Eisenbahn, einen vulgär-westlichen „Ethno-Faschismus“.

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