Ausgabe Februar 2018

Der geheime Blick des Kindes

Die Lebensgeschichte des Aharon Appelfeld, der am 4. Januar dieses Jahres im Alter von fast 86 Jahren in Jerusalem starb, grenzt ans Phantastische: Unter kaum vorstellbaren Bedingungen entkam der 1932 in Czernowitz in der Bukowina, der heutigen Ukraine, geborene Erwin Appelfeld dem Holocaust. Mit vierzehn Jahren erreichte er allein Palästina. Dort wurde er zu Aharon – und im Laufe der Jahre zu einem der bedeutendsten Schriftsteller hebräischer Sprache. Er sei damals am Leben geblieben, weil „ich irgendwo glaubte, dass meine Mutter kommen wird und mich abholt“, sagte er einmal.

Lange Zeit hatte er es nicht leicht mit seinen Texten; denn über die Schoah zu schreiben, war in Israel in den ersten beiden Jahrzehnten nach der Staatsgründung nicht eben erwünscht. Und später verstellte die große Bedeutung der Holocaust-Thematik, die das Lebenswerk Appelfelds grundiert, immer ein wenig den Blick auf die literarische Leistung dieses einzigartigen Autors. Er selbst verwahrte sich zeitlebens dagegen, im Rahmen der Holocaust-Erinnerungsliteratur rezipiert zu werden. „Ich schreibe keine Erinnerungsliteratur“, betont Appelfeld in seinem letzten, jüngst auf Deutsch veröffentlichten Roman „Meine Eltern“: „Das Bewahren und Erhalten von Erinnerungen ist ein antikünstlerischer Ansatz.

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In der Dezember-Ausgabe ergründet Thomas Assheuer, was die völkische Rechte mit der Silicon-Valley-Elite verbindet, und erkennt in Ernst Jünger, einem Vordenker des historischen Faschismus, auch einen Stichwortgeber der Cyberlibertären. Ob in den USA, Russland, China oder Europa: Überall bilden Antifeminismus, Queerphobie und die selektive Geburtenförderung wichtige Bausteine faschistischer Biopolitik, argumentiert Christa Wichterich. Friederike Otto wiederum erläutert, warum wir trotz der schwachen Ergebnisse der UN-Klimakonferenz nicht in Ohnmacht verfallen dürfen und die Narrative des fossilistischen Kolonialismus herausfordern müssen. Hannes Einsporn warnt angesichts weltweit hoher Flüchtlingszahlen und immer restriktiverer Migrationspolitiken vor einem Kollaps des globalen Flüchtlingsschutzes. Und die Sozialwissenschaftler Tim Engartner und Daniel von Orloff zeigen mit Blick auf Großbritannien und die Schweiz, wie wir dem Bahndesaster entkommen könnten – nämlich mit einer gemeinwohlorientierten Bürgerbahn. 

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