Ausgabe Juni 2018

Nordirland und der Brexit: Fragiler Frieden in Gefahr

Bild: Public Domain

Ihre Worte klangen zwar etwas pathetisch, aber bemerkenswert war es doch, aus welchem Anlass sich Hillary Clinton erstmals seit ihrer Wahlniederlage in den USA ausführlich zu einem international relevanten Thema zu Wort meldete: Anlässlich des 20. Jahrestages des Belfaster Karfreitagsabkommens (Good Friday Agreement, GFA) warnte sie in Belfast davor, „dass der Brexit in Irland jenen Frieden unterminiert, für den Menschen gestimmt und gekämpft haben und auch gestorben sind […] Die Wiedererrichtung einer Grenze wäre ein schwerer Rückschlag, zurück zu den ‚bad old days’.“[1] Von der Führung der radikalen probritischen Unionisten in Nordirland wird ein solches Szenario derzeit gern als irisch-republikanische Zweckpropaganda zurückgewiesen. Sie negiert alle anstehenden Schwierigkeiten und behauptet, die Sinn Féin (SF), einst politischer Arm der IRA, benutze den drohenden Brexit mit seinen ungewissen Auswirkungen auf die irische Insel „als Waffe“, allein um die Wiedervereinigung Irlands durchzusetzen.[2]

Doch tatsächlich wurde die Sorge, der Brexit sei mit Geist und Buchstaben des nordirischen Friedensabkommens von 1998 nicht vereinbar, so oder ähnlich von nahezu allen geteilt, die sich am 10. April 2018 an der Queens-Universität in Belfast zu einer großen internationalen Konferenz versammelt hatten.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.