Ausgabe August 1990

Gorbatschow hält den Westen in Atem

Seit fünf Jahren bereits hält der sowjetische Staatspräsident und KP-Generalsekretär Michail Gorbatschow den Westen und das westliche Militärbündnis in Atem. Die Veränderungen, die er bewirkt hat, haben zum Zusammenbruch der politischen und weltanschaulichen Grundlagen einer Epoche geführt und eine neue Ära eingeleitet. Es kann daher kaum verwundern, daß traditionelles politisches Denken sich auf einen so rapiden Wandel nicht mit adäquater Geschwindigkeit einstellen kann. Jeder Wandel schafft Unsicherheit, weil er vertraute Strukturen, Beziehungen und Denkgewohnheiten hinwegfegt, ohne gleich ein ebenso sicheres Fundament als Ersatz anbieten zu können.

Andererseits zwingt jeder Wandel zur Stellungnahme, zur Reaktion, zumindest zur Bewertung, ob der Betroffene will oder nicht. Wie kaum eine Epoche der Nachkriegsgeschichte ist die Gegenwart von Heraklits Feststellung panta rhei - alles ist in Fluß - gekennzeichnet, und sie läßt sich an drei politischen Großereignissen der letzten Woche exemplarisch darlegen: London (Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der NATO), Houston (Gipfeltreffen der sieben stärksten westlichen Industrienationen) und Moskau (Parteitag der KPdSU).

Zunächst Moskau: Das wichtigste Ergebnis des 28.

August 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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