Ausgabe Februar 1990

Auf dem Weg in die plebiszitäre Willkür

Volksbefragung und Volksentscheid im Berliner Programm der SPD

Im Dezember 1989 verabschiedete der außerordentliche Parteitag der SPD in Berlin ein neues Grundsatzprogramm. Zu den im Vorfeld und auf dem Parteitag umstrittenen Programmpunkten gehörte und gehört ein Reformvorschlag, der für die Demokratieentwicklung der Bundesrepublik langfristig einschneidende Konsequenzen haben kann: Die Bevölkerung soll künftig nicht nur wählen, sondern sie soll auch mitentscheiden dürfen. Die vom Parteitag beschlossene und bis zuletzt kontrovers diskutierte Passage lautet: "Parlamentarische Demokratie vermindert und ersetzt nicht die Verantwortung der Bürgerinnen und Bürger.

Daher wollen wir die Bürgerbeteiligung ausweiten und das Petitionsrecht effektiver gestalten. In gesetzlich festzulegenden Grenzen sollen Volksbegehren und Volksentscheid in Gemeinden, Ländern und Bund parlamentarische Entscheidungen ergänzen. Die verfassungsrechtlichen Beschränkungen der Mehrheitsmacht gelten auch für die direkte Bürgerbeteiligung." Vor dem Hintergrund dieser programmatischen Festlegung der SPD untersucht der folgende Beitrag die historischen und politischen Bezüge der Forderung nach Plebisziten - denn die eigentliche Debatte über die Verankerung entsprechender Regelungen wird erst noch kommen.

Februar 1990

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.