Ausgabe Oktober 1991

Was bleibt von der Union?

"Die Union ist tot, es lebe die Union", wandelte der einflußreiche Petersburger Bürgermeister, Anatoli Sobtschak, einen berühmten französischen Ausspruch um. Das Scheitern des Augustputsches besiegelte das Ende der bisherigen sowjetischen Zentralmacht. In den anschließenden Machtkämpfen vor und hinter den Kulissen gelang es, ein Mindestmaß an staatlicher Kontinuität der UdSSR vorerst zu bewahren. Die bisherige Sowjetunion als zentralistischer Bundesstaat wurde beerdigt. Ein neuer Bund souveräner Staaten soll ihre Nachfolge antreten. Übergangsregelungen sollen verhindern, daß die Sowjetunion explosionsartig wie derzeit Jugoslawien zerfällt. Eine neue Union kann nur - wenn überhaupt - von unten entstehen, aus den Republiken. Diese werden freiwillig der künftigen Zentrale in Moskau klar abgegrenzte Kompetenzen übertragen. Die Zentrale wird stärker von den Republiken abhängig sein und sich nicht mehr auf den allgewaltigen Apparat einer Staatspartei und einer Unionsbürokratie stützen können.

Dennoch verspricht der jetzt in Moskau gefundene konstitutionelle Rahmen bei all seiner Unzulänglichkeit eine gewisse Stabilität.

Oktober 1991

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Uganda vor dem Putsch des Löwen?

von Johanna-Marie Lange

Es war kurz nach Mitternacht Ende Juni, als Soldaten das Gebäude der Nation Media Group in Ugandas Hauptstadt Kampala stürmten und den wichtigsten unabhängigen Fernsehkanal NTV abschalteten. Auch die älteste und größte unabhängige Tageszeitung »Daily Monitor« wurde geschlossen.

Kuba am Abgrund: Wo bleibt die EU?

von Sandra Weiss

Als 1989 die Berliner Mauer fiel, sich kurz danach die Sowjetunion auflöste und langjährige kommunistische Verbündete wie Vietnam und China einen wirtschaftlichen Reformprozess starteten, schien auch auf Kuba der Moment des Umbruchs gekommen.