Ausgabe Oktober 1991

Was bleibt von der Union?

"Die Union ist tot, es lebe die Union", wandelte der einflußreiche Petersburger Bürgermeister, Anatoli Sobtschak, einen berühmten französischen Ausspruch um. Das Scheitern des Augustputsches besiegelte das Ende der bisherigen sowjetischen Zentralmacht. In den anschließenden Machtkämpfen vor und hinter den Kulissen gelang es, ein Mindestmaß an staatlicher Kontinuität der UdSSR vorerst zu bewahren. Die bisherige Sowjetunion als zentralistischer Bundesstaat wurde beerdigt. Ein neuer Bund souveräner Staaten soll ihre Nachfolge antreten. Übergangsregelungen sollen verhindern, daß die Sowjetunion explosionsartig wie derzeit Jugoslawien zerfällt. Eine neue Union kann nur - wenn überhaupt - von unten entstehen, aus den Republiken. Diese werden freiwillig der künftigen Zentrale in Moskau klar abgegrenzte Kompetenzen übertragen. Die Zentrale wird stärker von den Republiken abhängig sein und sich nicht mehr auf den allgewaltigen Apparat einer Staatspartei und einer Unionsbürokratie stützen können.

Dennoch verspricht der jetzt in Moskau gefundene konstitutionelle Rahmen bei all seiner Unzulänglichkeit eine gewisse Stabilität.

Oktober 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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