Ausgabe März 1992

Die Phantasie an der Macht

Rückblick auf Utopia nach dem Ende des Realsozialismus

In Zeiten des Umbruchs wächst der Orienerungsbedarf. Schlagworte erobern blitzschnell die Publizistik. Theorien und Formeln entfalten irritierende Konjunkturen. Versäumte Lektionen zwingen zu Re-Lektüren. - Mit dieser Rubrik wollen wir Schneisen ins Dickicht schlagen: unter der Vielzahl der Themen, Thesen und Theoretiker/innen eine präzise, begründete Auswahl treffen; das festhalten, was die geistige Situation der Zeit erhellt; vorstellen, was die politische Debatte weiterbringen könnte; Themen auf den Punkt bringen, die in aller Munde sind - und eben deshalb der Beliebigkeit anheimfallen; und - nicht zuletzt - Versäumtes und Vergessenes nacharbeiten. Die "Lektüren und Lektionen" ersetzen keinen Rezensionsteil, bieten nicht einfach Literaturberichte. Kriterium der Auswahl ist die kritische Selbstverständigung - über maßstabsetzende Publikationen, innovative Theorien, zeitdiagnostische Thesen oder erinnerungswerte Persönlichkeiten, deren Werk und Wirkung. Um Nachhilfestunden geht es nicht.

Aber belehrend, d.h. lehrreich sollen die Beiträge schon sein, den Blick schärfen - für neue Gesichtspunkte nicht minder wie für den schleichenden Wandel überkommener Deutungen. Wir beginnen mit einem Beitrag des Berliner Politikwissenschaftlers Armin Steil über das Schicksal des utopischen Denkens nach dem Scheitern des Realsozialismus.

März 1992

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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