Ausgabe März 1992

Die Phantasie an der Macht

Rückblick auf Utopia nach dem Ende des Realsozialismus

In Zeiten des Umbruchs wächst der Orienerungsbedarf. Schlagworte erobern blitzschnell die Publizistik. Theorien und Formeln entfalten irritierende Konjunkturen. Versäumte Lektionen zwingen zu Re-Lektüren. - Mit dieser Rubrik wollen wir Schneisen ins Dickicht schlagen: unter der Vielzahl der Themen, Thesen und Theoretiker/innen eine präzise, begründete Auswahl treffen; das festhalten, was die geistige Situation der Zeit erhellt; vorstellen, was die politische Debatte weiterbringen könnte; Themen auf den Punkt bringen, die in aller Munde sind - und eben deshalb der Beliebigkeit anheimfallen; und - nicht zuletzt - Versäumtes und Vergessenes nacharbeiten. Die "Lektüren und Lektionen" ersetzen keinen Rezensionsteil, bieten nicht einfach Literaturberichte. Kriterium der Auswahl ist die kritische Selbstverständigung - über maßstabsetzende Publikationen, innovative Theorien, zeitdiagnostische Thesen oder erinnerungswerte Persönlichkeiten, deren Werk und Wirkung. Um Nachhilfestunden geht es nicht.

Aber belehrend, d.h. lehrreich sollen die Beiträge schon sein, den Blick schärfen - für neue Gesichtspunkte nicht minder wie für den schleichenden Wandel überkommener Deutungen. Wir beginnen mit einem Beitrag des Berliner Politikwissenschaftlers Armin Steil über das Schicksal des utopischen Denkens nach dem Scheitern des Realsozialismus.

März 1992

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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