Ausgabe April 1993

Einbürgerung als Marsch durch die Institutionen

Mit seinem Kommentar "Selbst-Einbürgerung jetzt" ("Blätter", 1/1993) zur wenig erfreulichen Lage der Immigranten in der Bundesrepublik Deutschland hat Mohssen Massarrat ein wichtiges Thema angesprochen: Wichtig für die "Ausländer", weil nicht nur ihre "Würde", sondern immer öfter auch ihre Haut auf dem Spiel steht; wichtig für die Bundesrepublik, weil deren Reputation als liberaler Staat gefährdet ist. Im folgenden möchte ich einige weitere Aspekte der Problematik beleuchten. Seitdem die Unionspolitiker 1982 den Tenorpart der "Ausländerpolitik" übernommen haben, hat sich die von diesem Tenor bestimmte Lage der "Nichtdazugehörigen" in merkwürdiger Weise verändert.

Dominierte Anfang der 80er Jahre noch die pragmatische Vorstellung vom "Gastarbeiter", von einem auf vertraglicher Basis, d.h. zum beiderseitigen Interesse, in der Bundesrepublik arbeitenden Angehörigen eines anderen Staates, sorgte die Union zunächst dafür, daß aus Gastarbeitern "Ausländer" wurden, aus "Nützlingen" "Schädlinge", mithin ein neues politisches Problem, das man u.a. durch Rückkehrprämien zwecks Halbierung ihrer Zahl zu lösen gedachte.

April 1993

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema