Von Karin Priester Als ich vor Jahren nach Italien ging, um an meiner Dissertation zu arbeiten, hatte ich im Handgepäck auch das Empfehlungsschreiben eines deutschen Professors, der als Jude nach 1933 in das faschistische Italien emigriert war. Dort lebte er mehr schlecht als recht, aber unbehelligt von der Übersetzung von Romanen aus dem Italienischen ins Deutsche. "Nur manchmal", sagte er, "mußte ich die Namen ändern. Wenn im Original z.B. Chopin stand, setzte ich Schubert oder Schumann ein." Ein Deutscher jüdischer Abkunft flieht aus dem einen Faschismus in den anderen, wo eine der Maitressen Mussolinis, die Jüdin Margherita Sarfatti, eine renommierte Kunstkritikerin war. Erst ab 1938 verschärfte sich auch in Italien die Lage unter deutschem Einfluß. Der italienische Faschismus war deswegen aber nicht weniger rassistisch, er war nur nicht antisemitisch. Der Rassismus gegenüber den kolonisierten Völkern war, wie in allen imperialistischen Ländern, auch hier gängige Münze und verstand sich als "zivilisatorische Mission", als "des weißen Mannes Bürde", sein "Mühlstein am Hals" (Disraeli) und wurde z.T. auch in sozialistischen Kreisen vertreten.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.