Ausgabe März 1996

Französische Zustände

Die glänzende Zukunft des Streiks

Wir möchten der Interpretation, die Pascal Perrineau und Michel Wieviorka in ihrem Beitrag "Über die Natur der sozialen Bewegung" in "Le Monde" vom 20. Dezember vorgelegt haben, entschieden widersprechen. Sichtlich von einer Bewegung enttäuscht, die ihrer Lesart der Gesellschaft nicht entspricht und sie so ihrer Grundlage beraubt, greifen die beiden voller Ressentiments die Streikenden selbst an, ihren Mangel an Gesamtperspektive und die Nichtigkeit ihres Projekts. Statt ihre Theorie zu überprüfen, kaprizieren sie sich unter Mißachtung auch der offensichtlichsten Tatsachen darauf, die Bewegung zum "auf einige Branchen begrenzten Konflikt" schrumpfen zu lassen, unfähig "sich der Zukunft anders als im Rückwärtsgang zuzuwenden". Als selbsternanntes soziologisches Gericht - unter Soziologen ein Novum - vergreifen sie sich in ihrer Verurteilung der Bewegung, die keine Berufung zuläßt, schließlich an den Fakten: Als "Ausdruck des Niedergangs des französischen Integrationsmodells" begibt sich diese Bewegung auf den "Pfad des Rückzugs auf die nationale Identität, den andere Kräfte in anderen politischen Situationen bereits exploriert haben".

März 1996

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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