Ausgabe Februar 1997

Deutsche Frage, neuester Stand

"Immigranten scheinen heutzutage nach Deutschland zu strömen. Ich frage mich warum; die Geschichte legt nahe, daß, wenn sie nur lange genug warten würden, Deutschland zu ihnen kommt." Jay Leno, Tonight Show Wie sieht die zukünftige Rolle der Deutschen in Europa aus? Eine Gruppe von Beobachtern hält die Deutschen nach Auschwitz und nach der Gründung der Bundesrepublik für wiederauferstanden und friedlich geworden. Auch die neue Berliner Republik, so glaubt man, werde daran nichts ändern: stabil gehalten durch ihre Institutionen, nicht bedroht durch konservative Koalitionen, wie sie vormals die Machtübernahme des Nationalsozialismus begünstigten; die Bürger sozialisiert durch eine von der Kenntnis der Ursachen des Nationalsozialismus geprägte politische Erziehung; das Land fest eingebunden in ein Netz internationaler Verpflichtungen.

Die deutsche Politik habe im Kontext der Europäischen Union ihren vorherigen expansiven Drang verloren. Auch die Berliner Republik sei vertrauenswürdig und eingebettet im Lager der liberaldemokratischen, kapitalistischen westlichen Nationen. Die Deutschen selbst sind "friedlich und grün". In Umfragen jedenfalls streichen sie mit schöner Regelmäßigkeit diese Werte heraus, für die auch die politischen und wirtschaftlichen Eliten des Landes eintreten. Das ist das europäisierte Deutschland der Bundesrepublik.

Februar 1997

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.