Ausgabe Oktober 1997

Ich stimme der ersten Revision von Maastricht zu!

Supergeld - Superstaat?

Nach dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft 1954 markierten die Römischen Verträge vom 25. März 1957 den Versuch, den europäischen Integrationsprozeß auf ein sorgsam austariertes Fundament der wirtschaftlichen Integration zu stellen. Dieses Fundament hat sich seither als stabil erwiesen, auch wenn die europäische politische Integration von Kompromissen, Rückschlägen und nur langsamen Forschritten geprägt ist. Entsprechend ist die Debatte um Sinn, Zweck und Ziel der europäischen Integration seither nicht abgerissen. Jack Lang knüpft mit seinem Aufruf, den Vertrag von Amsterdam nicht zu ratifizieren, hieran an und stellt den bisherigen Integrationsprozeß in Frage. Vertiefung der Europäischen Union durch einen Verfassungskonvent statt Beginn des Erweiterungsprozesses nach dem Wirksamwerden des Vertrags von Amsterdam? Ein "vertieftes" Kerneuropa statt ein Europa der heute 16 und künftig 20 "plus x"? Eine europäische Verfassung mit europäischer Regierung und erst dann die europäische Wirtschafts- und Währungsunion?

Diese aufgeworfenen Fragen bergen die Gefahr in sich, den seit über vier Jahrzehnten dauernden europäischen Prozeß des Friedens, des Zusammenwachsens und des Grenzabbaus zu gefährden.

Oktober 1997

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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