Ausgabe Januar 1998

Luxor: Verzweiflungstat einer besiegten Armee

Das Massaker von Luxor, bei dem am 17. November 1997 ein Kommando der extremistischen "al-Gama'a al-Islamiyya" ("Islamische Gemeinschaft") 62 Menschen, darunter 58 ausländische Touristen ermordete, wurde in der ägyptischen Öffentlichkeit mit großem Entsetzen aufgenommen und von allen politischen und gesellschaftlichen Kräften des Landes verurteilt. In ungewöhnlicher Schärfe und Deutlichkeit verdammten auch namhafte Vertreter der "islamischen Bewegung" das Blutbad in offiziellen Erklärungen als "feiges Verbrechen an Unschuldigen", verübt von "Kriminellen ohne Vaterland, Moral oder Religion". Das ist schon etwas Besonderes, denn bei vorangegangenen Terroranschlägen hatten Sprecher der islamischen Bewegung ihre Kommentare zumeist eher vage gehalten, Gewalt als Mittel der Politik und Mission zwar prinzipiell abgelehnt, die Täter jedoch durch Verharmlosungen und Relativierungen immer wieder in Schutz genommen und versucht, die eigentliche Schuld der Regierung oder den Opfern selbst zuzuschreiben.

Die nunmehr eindeutige Verurteilung belegt die tiefe Spaltung der ägyptischen Islamisten in eine extremistische, militante Minderheit und eine radikale bis moderate Mehrheit.

Januar 1998

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

God‘s own country: Der Kampf um die Religiösen

von Claus Leggewie

Mit dem »Super Tuesday« am 3. März treten die Vorwahlen der US-Demokraten in die entscheidende Phase ein. Überraschend geht dabei neben Bernie Sanders nach ersten starken Ergebnissen auch Pete Buttigieg als Favorit ins Rennen. Wer aber ist überhaupt in der Lage, die USA und die Welt vor weiteren vier Jahren unter Donald Trump zu bewahren? Dem widmen sich die Beiträge von James K. Galbraith (zu Sanders‘ Wirtschaftsprogramm), Claus Leggewie (zur Rolle der Religion im Wahlkampf) und Paul M. Renfro, dessen Text zur Strategie von Buttigieg auch zeigt, wie erbittert die parteiinterne Debatte inzwischen geführt wird.