Gelegentlich hört und liest man Klagen über die großen deutschen Intellektuellen und ihr Verhältnis zur Politik: Sie äußerten sich mittlerweile "zu allem möglichen", nur nicht zu den drängenden Fragen der Zeit. Es wird schon etwas daran sein, einerlei ob das an den Intellektuellen liegt oder an der Politik. Einer jedenfalls hat sich nun zurückgemeldet, "der deutsche Philosoph, der Weltgeltung wie kein anderer genießt", hat "interveniert, nicht zuletzt wohl auch, weil andere schweigen", schrieb die "Zeit". Am 5. Juni kam Jürgen Habermas auf Einladung des "Kulturforums der Sozialdemokratie" nach Berlin, um neben und mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder über "Die Einbeziehung des Anderen", so der Titel der Tagesveranstaltung, zu sprechen. Mitgebracht ins Willy-Brandt-Haus hatte er das Destillat eines großen Essays über Globalisierung, über die Selbstabwicklung der Politik - und über Alternativen jenseits eines programmatisch entleerten "Politikwechsels". Wir freuen uns, diese "Berliner Rede", die der anbrechenden "Berliner Republik" eine ganz andere Richtung weist als die des Bundespräsidenten vor einem Jahr, in den "Blättern" zu veröffentlichen.
Am 6. September, in gut sechs Wochen, findet die wohl wichtigste deutsche Wahl dieses Jahres statt, nämlich die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Seit Monaten liegt die AfD in allen Umfragen klar vorn, stets um die 40 Prozent, mit kaum mehr einholbarem Abstand vor der Union.