Marie-Therese Geffroy wird von ihren Parteifreunden gemobbt. Sie hat getan, was die Führungsspitzen der bürgerlichen Rechten Frankreichs, darunter der Präsident selbst, ihren konservativen Parteikollegen angeraten hatten: Sie stimmte im Rat der Region Rhne-Alpes nicht mit dem Front National (FN). Amaury Nardone, ein junger liberaler Kandidat für das Amt des Vize-Regionalratspräsidenten, hat ihr deshalb Ohrfeigen angedroht, andere bürgerliche Parteikollegen empfehlen ihr, doch "nach Hause zu verschwinden und abzuspülen", nennen sie "Verräterin" und "Kollaborateurin der Linken". Ratspräsident Charles Millon indessen hat sich in die Hände des Front National begeben. Er bestreitet, daß es eine Vereinbarung gegeben habe mit den 35 Rechtsextrernisten, die im in Lyon ansässigen Regionalrat bei den Wahlen im März ein Mandat bekamen. Doch ohne ihre Hilfe wäre Millon nicht zum Ratspräsidenten gewählt worden. Der FN weist denn auch die Behauptung zurück, daß es keinen Deal gebe, und auch Millons Partei, die Vereinigung aus Christdemokraten, Konservativen und Liberalen UDF (Union pour la démocratie francaise), mochte sich auf derlei Ausflüchte nicht einlassen.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.