Ausgabe September 1998

Antiterror droht Spanien zu spalten

Während des Bürgerkrieges hatten die spanischen Basken, obwohl katholisch und konservativ, sich mit der linksgerichteten republikanischen Regierung in Madrid verbündet. Sie stellten sich gegen General Francos letztlich erfolgreichen Versuch, die Republik zu stürzen. Ihre Beweggründe waren nationalistischer Art. Sie wollten, daß das baskische Volk, dessen Heimstatt in Spaniens bergreichem Nordwesten liegt und über die Grenze bis ins südwestliche Frankreich reicht, einen eigenen Staat erhält. Die Republik hatte den Basken die Autonomie gewährt. Francos Regierung widerrief sie. Obwohl heute die Autonomie des baskischen Volkes in der spanischen Verfassung festgeschrieben ist, lebt der Gedanke der Unabhängigkeit in diesem reichen Industriegebiet Spaniens weiter. Das Baskische ist offiziell anerkannte Sprache der Region, und seit 1980 besitzen die Basken ihr eigenes Parlament. Für eine Minderheit jedoch reichen Autonomie und eigenes Parlament nicht aus. Seit den 70er Jahren sieht Spanien sich terroristischen Anschlägen dieser Gruppe, die sich der Verfolgung der nationalen Unabhängigkeit um jedem Preis verschrieben hat, ausgesetzt.

Viele Jahre lang genossen die baskischen Terroristen den außergewöhnlichen Vorteil eines sicheren Zufluchtsortes jenseits der Grenze in Frankreich.

September 1998

Sie haben etwa 19% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 81% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.