Ausgabe August 1999

Abschied vom Rheinischen Kapitalismus?

Zum rot-grünen Kurswechsel in der Wirtschafts- und Finanzpolitik

Es ist kein Jahr her, da zogen die heutigen Regierungsparteien, voran die SPD, mit dem Slogan "Die Gerechtigkeitslücke schließen!" in die Endphase des Bundestagswahlkampfs. Damals ließ sich aus Sicht der Noch-Opposition trefflich bilanzieren: Die Politik der Kohl-Regierung hatte mit Erfolg einerseits die Einkommensund Vermögensstarken gefördert sowie andererseits soziale und beschäftigungsorientierte Aufgaben des Staats amputiert. Die mit der neoliberalen Roßkur verbundenen Versprechungen konnten aber nicht eingelöst werden. Im Gegenteil, parallel zur Verbesserung der unternehmerischen Nettogewinne (Gewinne nach Steuern) sowie der Nettokapitalrentabilität - gerade auch im internationalen Vergleich - ist der Arbeitsplatzabbau in den letzten Jahren dieser Marktentfesselung munter vorangeschritten.

Die Opfer der Lohn- und Sozialeinkommensbezieher wurden nicht mit der Schaffung von zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten "belohnt": Die (bereinigte) Bruttolohnquote - also der Anteil der Einkommen aus unselbständiger Arbeit am Bruttoinlandsprodukt bei gegebener Aufteilung auf Selbständige und abhängig Beschäftigte - fiel auf das Niveau der frühen 60er Jahre zurück.

August 1999

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe November 2020

In der November-Ausgabe analysieren die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt, wie eine Politik der Feindschaft zunehmend die US-amerikanische Demokratie zersetzt. Der Journalist George Packer sieht – mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 3. November – eine letzte Chance, Amerika neu zu erschaffen. Der Ökonom James K. Galbraith plädiert in Zeiten der Krise für eine Rückbesinnung auf den Rooseveltschen New Deal. „Blätter“-Redakteur Daniel Leisegang warnt vor einem digitalen Kalten Krieg zwischen den USA und China. Und die Politikwissenschaftlerin Melanie Müller beleuchtet den doppelten Kampf Südafrikas gegen Corona und Korruption.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema