Präsidentschaftswahlen in den USA dauern mittlerweile zwei Jahre, eine Art Dauerlauf für denjenigen, der sich dieser Strapaze aussetzen will. Das eigentliche Wählen beginnt zwar erst Anfang des kommenden Jahres, in den Vorwahlen der Einzelstaaten, aber die Kandidaten sind schon seit geraumer Zeit unterwegs, wobei sie hauptsächlich viel Geld ausgeben. Geld ist der andere Name der amerikanischen Demokratie. Läßt der Geldnebel, der das Wahlsystem einhüllt, es überhaupt zu, Charakter auszumachen? Dabei ist es gerade Charakter, wonach die amerikanischen Wähler bei ihren Kandidaten verzweifelt suchen. Ideologie interessiert die Mehrheit weniger. Der Zentralisierungsdruck des amerikanischen Systems bewirkt, daß Kandidaten mit ausgeprägten ideologischen Standpunkten linker oder rechter Provenienz keine Chance haben. Das Fiasko der "republikanischen Revolution" des Newt Gingrich hat aufs Neue demonstriert, daß radikale Positionen die Mainstream-Wähler verschrecken. Andererseits laden die Vorwahl-Kampagnen zu ideologischem Extremismus geradezu ein, weil diejenigen, die sich überhaupt die Mühe machen, an Parteivorwahlen teilzunehmen (und das sind heutzutage nicht viele), in der Regel Parteiaktivisten sind.
Am 6. September, in gut sechs Wochen, findet die wohl wichtigste deutsche Wahl dieses Jahres statt, nämlich die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Seit Monaten liegt die AfD in allen Umfragen klar vorn, stets um die 40 Prozent, mit kaum mehr einholbarem Abstand vor der Union.