Ausgabe Dezember 2000

Abstammungsdeutsche und Herkunftstürken

Angesichts der neuen politischen Offenheit für Einwanderung ist daran zu erinnern, daß diese seit 45 Jahren stattfindet und die Folgeprobleme früherer Einwanderungen von einer akzeptablen Lösung weit entfernt sind. Viele halten es für selbstverständlich, daß trotz dreieinhalb Millionen Arbeitslosen und über 20% Arbeitslosigkeit bei früheren Einwanderergruppen der Bedarf der Wirtschaft an Arbeitskräften durch zusätzliche Einwanderung befriedigt wird. Neueinwanderer mit Arbeitserlaubnissen, die sie an den anwerbenden Betrieb binden, scheinen für die Unternehmen trotz der Notwendigkeit der Einarbeitung attraktiver zu sein als die Einstellung von Arbeitslosen. Übersehen wird, daß der gesellschaftliche Friede eine zentrale Voraussetzung auch der gedeihlichen Wirtschaftsentwicklung ist. Öffentliche Kundgebungen gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, so ermutigend sie sind, schaffen die ethnische Konfrontation nicht aus der Welt. Der Situation der schon im Land befindlichen Einwanderer - und der gesellschaftlichen Sicherheit der Abstammungsdeutschen - sollte daher die gebotene Aufmerksamkeit gewidmet werden. Entscheidende Bedeutung hat die Entwicklung der über zwei Millionen Menschen türkischer Herkunft in Deutschland.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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