Ausgabe Juli 2000

Über die Verwechslung von Standortpolitik und Verantwortung

Laudatio auf den Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte

Die "Blätter für deutsche und internationale Politik" verleihen ihren Demokratiepreis im Jahr 2000 dem "Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte". Damit würdigen wir nicht nur dankbar die unschätzbare humanitäre Leistung, die der Bundesverband im Interesse von Tausenden von Geschädigten und Traumatisierten vollbracht hat, sondern vor allem - es geht schließlich um einen Demokratiepreis - den besonderen Beitrag, den der Bundesverband mit seinen Aktivitäten für den Ausbau und die Festigung der deutschen Demokratie und ihrer politischen Kultur in einer Zeit erbrachte und erbringt, in der die mühsam genug erworbenen Fundamente der deutschen Demokratie durch eine immer aggressivere Ausrichtung des politischen Betriebs auf kollektiven und individuellen Eigennutz Stück für Stück ausgehöhlt werden. So wie es im einzelnen menschlichen Leben Schicksalsschläge, Tragödien, nicht wiedergutzumachende Fehler und unumkehrbares Unglück gibt, mit dem wir zwar leben, das wir aber nicht mehr ändern können, so existieren auch in der Geschichte sozialer Großkollektive - etwa von Nationen - Brüche und Einschnitte, zu denen wir uns verhalten müssen, die aber nicht mehr zu wenden sind. Dies in Deutschland nicht zu vergessen, bedarf es bisweilen des Anstoßes von außen.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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