Ausgabe Oktober 2000

Kofi Annans neue UNO

Kofi Annan erweist sich als ein Generalsekretär, der keinen Vergleich mit seinen Vorgängern in der UN-Zentrale zu scheuen braucht. Er legt ein realistisches Verständnis dessen an den Tag, was die UNO nicht leisten kann und was sie versäumt hat. Aber er sieht auch, was sie leisten könnte, ohne es bisher je ins Auge gefaßt zu haben. Seinen "Millenniums-Gipfel" kann er wohl als Erfolg verbuchen. Alle Eingeladenen erschienen, und die Veranstaltung beförderte, wie von Annan geplant, den Neustart der seit den 60er Jahren ziemlich gebeutelten Weltorganisation. Die Kongo-Intervention unter dem damaligen Generalsekretär Dag Hammarskjöld kann als der bis dato letzte Versuch der Vereinten Nationen gelten, in eigener Regie aktiv zu werden. Kofi Annan hat der Organisation einen Handlungsspielraum zurückgewonnen, wie sie ihn seit Hammarskjölds Tod im Jahre 1961 nie mehr besaß. In dieser Hinsicht erwies sich sogar die Knausrigkeit des US-Kongresses als hilfreich, weil sie den früher überwältigenden Einfluß der USA am East River schrumpfen ließ. Annan scheute sich nicht, nach Washington zu gehen und Senator Jesse Helms, den Erzfeind der UNO, in der Höhle des Löwen entgegenzutreten. Auf diese Weise gelang es ihm, die Beziehung zwischen Washington und der Weltorganisation zu verändern.

Sie haben etwa 20% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 80% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Aminatou Haidar (imago images / TT)

Westsahara: Afrikas letzte Kolonie

von Aminatou Haidar

Seit 56 Jahren steht das Thema auf der Agenda der Vereinten Nationen. Jetzt hat der UN-Sicherheitsrat beschlossen, das Leiden der Menschen in der Westsahara, der letzten Kolonie Afrikas – flächenmäßig größer als Großbritannien, aber eingezwängt zwischen Marokko, Algerien, Mauretanien und dem Meer –, weiter zu verlängern.

Bild: imago images / UPI Photo

Nach Trump: Aussichten auf den Bürgerkrieg

von Alexander Hurst

US-Präsident Donald Trump prahlt immer wieder mit der Muskelkraft seiner Anhänger, was seiner zunehmend bedrängten Präsidentschaft einen drohenden Unterton verleiht. „Ordnungskräfte, Militär, Bauarbeiter, Bikers for Trump… Das sind harte Leute“, sagte er 2018 bei einer Wahlveranstaltung in St. Louis, Missouri.