Ausgabe Juni 2001

Wer wir sind und wer zu uns gehört

Die Nation eines Einwanderungslandes

Wahrscheinlich gibt es nur wenige Länder, wo sämtliche fremden Zuwanderer derart pauschal entweder abgelehnt oder aber begrüßt werden, wie das in den vergangenen Jahrzehnten hierzulande der Fall war. Während die Mehrheit der Deutschen die sogenannten Ausländer in ihrer Gesamtheit für eine Belastung hielt, versteifte sich eine Minderheit darauf, in jedem Ausländer eine Bereicherung sehen zu wollen. Angesichts der Heftigkeit dieser Debatten fiel gar nicht auf, dass die Kontrahenten sich in einer Prämisse völlig einig waren. Sie stimmten nämlich darin überein, dass die Ausländer nicht zu "uns" gehören. Strittig war nur die Funktion, die sie für "uns" haben sollten, ob sie uns ausnützen oder uns nützen. Dieser Konsens kommt schon in der Sprachregelung zum Ausdruck, die seit Jahrzehnten unangefochten herrscht. Kaum jemand nahm und nimmt daran Anstoß, dass Menschen, die manchmal bereits in der dritten Generation im Lande sesshaft sind, die möglicherweise inzwischen sogar die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, weiterhin als "Ausländer" bezeichnet werden. Natürlich gehören "Ausländer" nicht zu "uns". Und wer nicht zu "uns" gehört, ist natürlich ein "Ausländer".

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

25 Jahre Nine Eleven

von Ronald Ofteringer

25 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem von den USA ausgerufenen »War on Terror« sind dschihadistische Gruppen Teil eines expandierenden Konfliktgeschehens, während das Instrumentarium des Antiterrorkriegs weiter Anwendung findet, auch über die Terrorbekämpfung hinaus – als Bestandteil einer neuen globalen Sicherheitskultur des »Rechts des Stärkeren«.

Der Genozid-Vorwurf gegen Israel und die deutsche Verantwortung

von Albrecht von Lucke

Von den zahlreichen Kriegs- und Krisenbrennpunkten der Gegenwart, von der Ukraine über Iran bis zum Sudan, erregt wohl keiner so sehr die Gemüter wie der Israel-Palästina-Konflikt. Und fast immer taucht dabei der Vorwurf des »Genozids« gegenüber Israel auf.