Ausgabe November 2001

Zweierlei Art zu Töten

Zur Aktualität der Todesstrafe

Die Todesstrafe? Was geht uns das an? Leben wir nicht in einem Land, wo Scharfrichter und Fallbeil längst der Vergangenheit angehören? In der Tat, Artikel 102 des Bonner Grundgesetzes von 1949 bestimmt kurz und bündig: "Die Todesstrafe ist abgeschafft." Das läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig und duldet keine Ausnahme. Daher gilt hierzulande als Höchststrafe bekanntlich die lebenslange Haft. Sie wird für schwere Tötungsdelikte, außerdem für Hochverrat und Völkermord angedroht und ist gewiß keine harmlose Strafe. Ihre persönlichkeitszerstörenden Folgen sind bekannt. Immerhin bleibt dem lebenslänglich Eingeschlossenen die Hoffnung, seinem Gnadengesuch, das er nach fünfzehn Jahren erstmals stellen darf, werde eines Tages stattgegeben.

Mit der Todesstrafe aber löscht man alles, den Menschen und die Hoffnung, unwiederbringlich aus. "Die europäischen Länder können sich dazu gratulieren, daß sie mit der Todesstrafe eine barbarische Bestrafung von ihren Territorien verbannt haben", heißt es in einer Schrift des Europarats. 1998 markiert einen Wendepunkt in der europäischen Geschichte: Von damals 40 Mitgliedern des Europarats vollstreckte keines mehr die Todesstrafe; zehn haben sie zwar noch nicht gänzlich abgeschafft, halten jedoch Hinrichtungsmoratorien ein.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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