Die Beseitigung von Schranken für den Handel und die Investitionen, wie sie von der Welthandelsorganisation (WTO) weltweit und von der EU insbesondere für den europäischen Binnenmarkt gefordert werden, sollen den Wettbewerbsdruck erhöhen, verkrustete Machtstellungen aufbrechen und dadurch zu einer qualitativ besseren und preiswerteren Versorgung der Menschen mit Gütern und Dienstleistungen führen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der stärkere Wettbewerbsdruck nicht zu Gegenreaktionen von Seiten der Unternehmen führt, die ihre Marktmacht vergrößern statt verringern. Solche Gegenreaktionen bestehen vor allem in Fusionen und Übernahmen: Wenn Unternehmen, statt im Ausland neue Firmen aufzubauen und somit ein zusätzliches Angebot auf den dortigen Markt zu bringen, dort bereits etablierte Unternehmen aufkaufen, ändern sich nicht die für das Angebot maßgeblichen Marktstrukturen, sondern nur die Eigentumsverhältnisse der bereits etablierten Marktstrukturen. Es spricht wenig dafür, dass die Verbraucher davon profitieren. Wenn Unternehmen, um der härteren Konkurrenz von außen zu begegnen, Konkurrenten im Inland aufkaufen und zu nationalen Führungskonzernen werden, findet ebenfalls keine Schwächung, sondern eher eine Stärkung ihrer Markt- und Wettbewerbsposition statt.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.