Ausgabe Dezember 2002

UK: Rückkehr der Gewerkschaften

Wenn in Großbritannien von einem drohenden neuen „Winter der Unzufriedenheit“ die Rede ist, beschwört das zum Teil ein Schreckgespenst. Zum Teil kommt damit aber auch Respekt vor einer neuen Kampfbereitschaft der Gewerkschaften zum Ausdruck. Denn der „Winter of Discontent“ des Jahres 1979, als sich Müll auf den Straßen häufte und Leichen nicht beerdigt wurden, gilt als ein Wendepunkt der britischen Nachkriegsgeschichte: In der damaligen Streikwelle, so die gängige Interpretation, erprobten und verspielten die Gewerkschaften ihre zu jener Zeit noch beachtliche Macht, die Position der Labour-Regierung wurde untergraben und den Konservativen unter Margaret Thatcher zu einer Dominanz verholfen, die bis Mitte der 90er Jahre anhielt.

Haben die Gewerkschaften heute tatsächlich wieder die Stärke der 70er Jahre erlangt? Eindeutig nein. Sind sie tatsächlich willens, erneut eine Labour- Regierung herauszufordern und in Schwierigkeiten zu bringen? In gewissen Grenzen, ja.

Für eine „neue Militanz“ unter den gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten steht der Beschluss der Feuerwehrleute, am 13. November eine Streikserie zu beginnen, um eine 40prozentige Gehaltserhöhung durchzusetzen. Angesichts der Sicherheitsprobleme, die ein Streik bei der Feuerwehr mit sich bringt, besitzt deren Aktion weit reichende Auswirkungen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema