Ausgabe Februar 2002

Die paradoxe Modernität der Albaner

Auch in seriösen Publikationen kann man neuerdings von einer "albanischen Frage" lesen. Die Vorstellung drängt sich tatsächlich auf. Seit mehr als zehn Jahren werden auf dem Balkan Kriege um die Entstehung von Nationalstaaten geführt, und im Südwesten der Halbinsel lebt eines der größten Völker der Region verteilt auf inzwischen vier oder fünf Staaten und staatsähnliche Einheiten. Die drei letzten gewaltsamen Konflikte auf dem Balkan - in Mazedonien, Südserbien und im Kosovo - wurden um albanische Probleme ausgefochten, und kaum jemand glaubt, dass die Gewalt nun wirklich vorbei ist. Aber bei allen diesen Konflikten geht es nicht um die "albanische Frage", sondern um eine andere, noch ernstere und gefährlichere, die sich mit Krieg oder neuen Grenzziehungen nicht lösen lässt: um die Frage nach der Funktion der neuen Balkanstaaten.

Auf den ersten Blick gleichen die albanischen Konflikte des Südbalkans den vergangenen weiter nördlich: Eine politische Elite will, aus welchem Grund und Anlass auch immer, ihren eigenen, "ethnisch reinen" Staat und mobilisiert zu diesem Zweck nationalistische Emotionen, auf paradoxe Weise unterstützt von einer täppisch auftrumpfenden Zentralgewalt, die mit ihren hysterischen Reaktionen den Brand noch befeuert, statt ihn zu löschen.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema