Ausgabe Juli 2002

Nützliche Moscheekonflikte?

Lackmustest auf praktische Religionsfreiheit

Religiöse Stätten werden in Deutschland und im restlichen Europa nur noch selten gebaut. Vor allem in Ostdeutschland schließt man Gotteshäuser auf Grund von Kirchenaustritten und Priestermangel oder widmet sie in profane Konzerthallen, Wohnhäuser und Hotels um. Wo neue Kirchen entstehen, wie zuletzt in Hamburg, Völklingen, München und Wien, finden Architekten eine besondere Herausforderung, auch wenn sie selbst religiös "unmusikalisch" sind: "Es lockt sie der Raum: Einer, der nicht den Zwängen des Alltäglichen gehorcht, nicht praktisch und nicht profitabel sein muss, der nur dem Nichtbeschreiblichen zu dienen hat. Hier darf der Architekt zeigen, was er sein kann. Ein Künstler der Transzendenz". 1) Als Musterbeispiel aktueller Sakralarchitektur gilt die Synagoge im Dresdener Stadtzentrum; der aufwendige Bau (Kosten: über 5 Mio. Euro) wurde genau 63 Jahre nach der Zerstörung des alten Gottfried Semper Baus während der "Reichskristallnacht" wieder eröffnet (und schon wenig später mit einem Hakenkreuz geschändet).

Zwischen 1945 und 1975 wurden in Deutschland über 8 000 Kirchen errichtet, in Folge der Kriegszerstörungen, aber auch auf Grund des zunehmenden Kirchenbesuchs und unter Bezug auf Traditionen des christlichen Abendlandes.

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Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

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