In Straßburg wird ein Urteil gefällt, und die Zeitungen sind voll des Lobes für die Richter, die ihr Mitleid in den Griff bekommen und dem Recht zur Geltung verholfen haben. Die "Frankfurter Allgemeine" wittert gar die Chance, das Rad der Zeit zurückzudrehen: Wenn die Große Kammer das Urteil nicht "korrigiert", "dann wird es sich auf die niederländische und belgische Gesetzgebung zur aktiven Sterbehilfe auswirken m ü s s e n". 1) Was ist geschehen? Am 29. April entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) den Fall Pretty vs. the United Kingdom. Diane Pretty hatte in Großbritannien vor den dortigen Gerichten die Zusage erstreiten wollen, dass ihr Mann straffrei ausgeht, wenn er ihr beim Suizid assistiert. Die 43jährige Britin, die am 11. Mai starb, litt an einer unheilbaren Muskelkrankheit, war vom Hals abwärts gelähmt. Ihr drohte ein qualvoller Tod durch Ersticken. Auf Grund ihrer Lähmung hätte sie einen Suizid nicht ohne fremde Hilfe durchführen können. Nachdem sie im November letzten Jahres vor dem obersten britischen Zivilgericht gescheitert waren, versuchten die Eheleute Pretty in Straßburg unter Berufung auf die Menschrechtskonvention, eine prinzipielle Straffreiheit für assistierten Suizid zu erstreiten.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.