Ausgabe November 2002

Transatlantische Interessen

Die Irakfrage war nicht der erste Streitpunkt zwischen Europa und den USA. Von den Debatten um das Kyoto-Protokoll, den Internationalen Strafgerichtshof und die Todesstrafe bis zu den gegenseitigen Strafzöllen und diplomatischen Rüffeln war das Klima zwischen den beiden Kontinenten nach dem Kalten Krieg von einer schleichenden Uneinigkeit bestimmt, die nun auf beiden Seiten als Kluft empfunden wird. Sicherlich unterscheiden sich die Weltbilder trotz gemeinsamer Wurzeln und gleicher Grundwerte. Spätestens mit dem Ende des Kalten Krieges wurden diese Unterschiede immer deutlicher. Das kann auch eine globalisierte Konsumkultur nicht ausgleichen.

Doch nicht um transatlantische Kulturen geht es hier, sondern um Interessen. Denn mit dem Ende des Kalten Krieges zerfiel eine bilaterale Welt in vier ungleich große Teile - in die Wirtschaftsmächte Nordamerikas, Europas und Asiens sowie die Masse der Schwellen- und Entwicklungsländer. In einer zunehmend globalisierten Weltwirtschaft mussten die geostrategischen Interessen zwangsläufig aufeinander prallen. Weder Europa noch die USA können es sich leisten, diesen Konflikt über längere Zeit auszutragen. Zu verflochten sind sie in der so genannten Neuen Weltordnung. Zu ähnlich sind die Interessen. Dabei erscheint die Forderung, den Konflikt klar zu definieren, fast unerfüllbar.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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