Ausgabe April 2003

Sondervollmachten der Staatsorgane auf die Dauer des Ausnahmezustands

Serbien nach dem Tod von Zoran Djindjic: Maßnahmen am Tag danach (Wortlaut)

Am 12. März 2003 erlag der serbische Premier Zoran Djindjić (*1952) einem Attentat, hinter dem Belgrads gefährlichste Mafia-Bande „Clan von Zemun“ vermutet wird. Darüber hinaus betrachte man die Tat, so Montenegros Ministerpräsident Milo Djukanović, „als Schlag gegen die Reformkräfte in Serbien und gegen die Demokratiebewegung in weiteren Regionen“. Entsprechend heftig waren die ersten Regierungsmaßnahmen. Als amtierender Ministerpräsident wurde Vizepremier Nebojša Čović (*1958) gewählt, ein erfahrener Vorkämpfer gegen Terrorismus und Verbrecher, der als Kosovo-Beauftragter der Regierung seine Befähigung für Krisenmanagement bewiesen hat. Unter seiner Führung konstatierte die Regierung „eine Bedrohung der Verfassungsordnung und Sicherheit der Republik Serbien“ und verlangte von der amtierenden Präsidentin Nataša Mićić, gestützt auf Artikel 83 der serbischen Verfassung, den „Ausnahmezustand“ (vanredno stanje) auszurufen. Die Präsidentin kam diesem Verlangen nach, „um eine entschlossene Abrechnung des Staates mit dem organisierten Verbrechen“ zu ermöglichen. Wir dokumentieren im Folgenden die Einzelmaßnahmen, dazu erste Verfügungen der Armee, der bei einem Ausnahmezustand Polizeifunktionen im Lande zufallen.*

Anordnung von Maßnahmen, die während des Ausnahmezustands gelten

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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