Ausgabe April 2004

Erweiterte EU mit slowenischen Altlasten

Zypern mit 77, Slowenien mit 74, Tschechien mit 60 bis zu Lettland mit bloß 39 Prozent des BIP-Durchschnitts der EU: Die zehn neuen Mitglieder der Union werden deren BIP pro Kopf und Jahr auf ungefähr 28500 US-Dollar senken. Brüssel wusste dies seit langem und spielte es in seinen "Erfolgsberichten" doch stets herunter. Auf wirtschaftliche Probleme und politische Konflikte der zehn "Neuen" gingen die Berichte kaum ein – folglich darf sich auch niemand wundern, wenn die Osterweiterung gelegentlich Züge einer "Balkanisierung" der EU annehmen wird.

So konfrontiert etwa "Musterknabe" Slowenien die Gemeinschaft seit fünf Jahren mit balkanischen Friktionen, die die Ljubljanaer Wochenzeitung "Mladina" (Jugend) zu dem Urteil veranlassten, Slowenien sei ein "Balkan-Ländchen mit hausgemachtem Faschismus". Das ist Slowenien gewiss nicht – eher schon Kroatien, das aber seinerseits die lautesten Vorwürfe gegenüber Slowenien erhebt. Im Zuge der Erweiterung droht die EU nun vor allem in den tiefen Konflikt zwischen Slowenien und Kroatien hineingezogen zu werden.

Vor 15 Jahren waren beide noch wohlhabende Teilrepubliken Jugoslawiens, strebten per einseitige Unabhängigkeitsdeklaration aus diesem heraus, erkannten einander am 25. Juni 1991 als souveräne Staaten an und wurden als solche am 15. Januar 1992 auch von der damaligen EG anerkannt.

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