Ausgabe Mai 2004

Mit den Vertriebenen nach Europa?

Auf den ersten Blick haben der Fall des (ehemaligen) CDU-Abgeordneten Hohmann, die Konjunktur von Büchern über den Bombenkrieg gegen Deutschland und die Diskussion über ein "Zentrum gegen Vertreibungen" nichts miteinander gemein. Bei näherem Hinsehen zeigt sich allerdings schnell: Es dreht sich jedes Mal, nur von verschiedenen Seiten angegangen, um das zentrale Thema der deutschen Nachkriegsgeschichte, das Thema der deutschen Schuld. Wir haben es mit unterschiedlichen Versuchen zu tun, diese Schuld zu relativieren. Der Vergleich mit den Taten anderer nach dem Muster "Die doch auch!" und die Darstellung der Deutschen als Opfer dienen dabei als die beiden wichtigsten Mittel.

Versuche, durch derartige Vergleiche mit anderen die NS-Verbrechen zu relativieren, sind keineswegs neu. An deutschen Stammtischen wird seit langem darüber palavert, "dass den anderen alles, den Deutschen aber nichts verziehen wird." Gewissermaßen "salonfähig" aber machte solche Vergleiche erst die ungeahnte Brutalität der "postjugoslawischen" Balkankriege. In diesem Zusammenhang entstand auch der Begriff der "ethnischen Säuberung", mit dem manche seither versuchen, die Vertreibung der Deutschen aus Ost- und Ostmitteleuropa aus ihrem Kontext, dem Zweiten Weltkrieg, herauszulösen, sie dem Nationalismus im Allgemeinen und dem osteuropäischen Streben nach ethnisch homogenen Nationalstaaten im Besonderen anzulasten und ihr damit die politische und historische Dimension zu nehmen.

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