Ausgabe November 2004

Die ganz alltägliche Gewalt

Die gesellschaftliche Relevanz von Gewalt gegen Frauen ist heute nicht mehr umstritten. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der Neuen Frauenbewegung, die - unter anderem mit dem Aufbau von Frauenhäusern seit Mitte der 70er Jahre - dazu beigetragen hat, das tatsächliche Ausmaß der Gewalt im Zusammenleben von Frauen und Männern bekannt zu machen. Das gewachsene Problembewusstsein hat daneben zu gesetzlichen Änderungen geführt. So wurde zum Beispiel 1997 Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt. Auch das im Jahr 2000 eingeführte unabhängige Aufenthaltsrecht für ausländische Ehefrauen, das deren Einbürgerung im Falle von besonderen Härten wie Gewalttätigkeit des Ehemannes erleichtert, ist erst dadurch möglich geworden.

Jüngstes Beispiel für die gestiegene Aufmerksamkeit für das Thema ist die Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" als die mit 10000 Befragten erste repräsentative Arbeit zum Thema Gewalt gegen Frauen. Sie wurde am 21. September von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) der Presse vorgestellt.1 Demnach haben 37 Prozent aller befragten Frauen seit dem 16. Lebensjahr körperliche und 13 Prozent sexuelle Gewalt erlitten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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