Ausgabe November 2004

Die ganz alltägliche Gewalt

Die gesellschaftliche Relevanz von Gewalt gegen Frauen ist heute nicht mehr umstritten. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der Neuen Frauenbewegung, die - unter anderem mit dem Aufbau von Frauenhäusern seit Mitte der 70er Jahre - dazu beigetragen hat, das tatsächliche Ausmaß der Gewalt im Zusammenleben von Frauen und Männern bekannt zu machen. Das gewachsene Problembewusstsein hat daneben zu gesetzlichen Änderungen geführt. So wurde zum Beispiel 1997 Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt. Auch das im Jahr 2000 eingeführte unabhängige Aufenthaltsrecht für ausländische Ehefrauen, das deren Einbürgerung im Falle von besonderen Härten wie Gewalttätigkeit des Ehemannes erleichtert, ist erst dadurch möglich geworden.

Jüngstes Beispiel für die gestiegene Aufmerksamkeit für das Thema ist die Studie "Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland" als die mit 10000 Befragten erste repräsentative Arbeit zum Thema Gewalt gegen Frauen. Sie wurde am 21. September von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) der Presse vorgestellt.1 Demnach haben 37 Prozent aller befragten Frauen seit dem 16. Lebensjahr körperliche und 13 Prozent sexuelle Gewalt erlitten.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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