Ausgabe Juli 2005

Russisches Machtmikado

Putin und die Oligarchen

Es war ein Exempel: Der inhaftierte Ölmagnat Michail Chodorkowski wurde am 31. Mai, am Ende eines an sowjetische Zeiten erinnernden Schauprozesses, zu neun Jahren Lagerhaft wegen Steuerhinterziehung und Betruges verurteilt. Das Zeichen für Russlands Oligarchen ist klar: Wer sich mit der Macht im Kreml anlegt, findet sich schnell im Gefängnis wieder.

Beim Vorgehen gegen Chodorkowski und seinen Ölkonzern Jukos verfolgte der Kreml zwei Ziele: ein politisches, nämlich die Ausschaltung des politischen Widersachers, und ein ökonomisches, die Überführung des größten russischen Öl-Konzerns in Staatsbesitz. Darüber hinaus wirft der Fall aber auch ein grelles Licht auf die derzeitigen Machtverhältnisse in Russland. Offensichtlich brachte das Auftreten Chodorkowskis jene fragile Machtbalance aus dem Gleichgewicht, die Putin mühsam zwischen den verschiedenen Machtzentren des Landes herzustellen versuchte.

Eine zentrale Rolle in diesem Machtkampf spielen die so genannten Oligarchen, jene Gruppe der mächtigsten Unternehmer, die über ein Milliardenvermögen verfügen und in der russischen Wirtschaft eine entscheidende Rolle spielen. Ihnen geht es jedoch nicht nur um wirtschaftlichen, sondern auch um politischen Einfluss. Als Gruppe verbindet sie dabei lediglich das gemeinsame Interesse, möglichst wenig Steuern zu zahlen und den gesamten wirtschaftlichen und politischen Prozess in Russland in ihrem Sinne durch ihre Lobby zu beeinflussen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema