Ausgabe November 2005

Geopolitik und Glaubenswelt: Radikalisierung im islamischen Orient

Der im Jahr 2002 erstmals publizierte „Arab Human Development Report“ hat nicht ohne Grund weltweit Aufmerksamkeit erregt. Nach den Vorgängen vom 11. September 2001 schien sich dieses Konvolut wie eine Antwort auf die große Frage der Zeit auszunehmen – so, als trage es dem dramatischen Geschehen eine Erklärung nach. Doch sowenig der UN-Bericht über den Zustand der arabischen Welt als Reaktion auf die Angriffe von New York und Washington gelesen werden möchte, sowenig zwingend dürften die dort geschilderten Phänomene einer blockierten Moderne in der arabischen Welt für die Ausführung eines derartigen Anschlags gewesen sein. Zwar mag die Symbolik der Zwillingstürme im New Yorker Finanzzentrum und des Pentagons Anlass zu mancher Spekulation geben – ein kausaler Nexus ist nicht auszumachen. Aber wenn schon keine Kausalität ersichtlich ist, lässt sich doch eine Art Konvergenz erkennen. Beides scheint jedenfalls zueinander zu passen: die im Report diagnostizierte Unterentwicklung der arabischen Welt und eine gewaltige politische Entladung, die sich im Vorderen Orient ankündigt. Ihre ersten Sprengsätze galten dem Land der westlichen Hypermoderne – sie galten Amerika, jener „eigenen Frage als Gestalt“.

Ein Zusammenhang zwischen endemischem Stillstand und den Ereignissen des 11. September scheint mithin zu bestehen.

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