Ausgabe Februar 2006

Putins Rohrkrepierer

Die Unterbrechung der Erdgaslieferungen an die Ukraine hat, auch wenn sie vorhersehbarer Weise schon bald endete, ernste Zweifel an Wladimir Putins Kompetenz geweckt. Und dies ausgerechnet in einem Augenblick, der ihm die Weltstellung eingebracht zu haben schien, die er für das neue Russland erstrebt.

Ihm wurde nämlich gerade der Vorsitz der G 8, der Plattform der führenden Industriestaaten, übertragen, und schon bald wird er dem Jahrestreffen der – politisch und wirtschaftlich – Großen dieser Welt präsidieren.

Streng genommen verdient Russland die Mitgliedschaft in dieser Gruppe gar nicht, da es nicht zu den acht führenden Wirtschaftsmächten zählt. Man zog das Land hinzu, um es zu weiteren wirtschaftlichen und politischen Reformen zu ermuntern, aber auch in Anerkennung seiner hergebrachten Großmachtrolle und seines strategischen Militärpotentials.

Putins Versuch, die Ukraine für ihre Orange Revolution und ihre Beitrittsambitionen in Richtung NATO und EU abzustrafen, entbehrt an sich nicht der Logik. Warum sollte Moskau die Ukraine weiterhin zu Vorzugspreisen mit Energie versorgen, wenn Kiew sich von Russland abwendet und neue Bündnisse im Westen sucht?

Die Revolution in Orange wurde zum großen Teil von amerikanischen NGOs propagiert, finanziert und politisch gestützt, von denen viele mitteloder sogar unmittelbar in Verbindung zur US-Regierung stehen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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