Ausgabe Februar 2006

Putins Rohrkrepierer

Die Unterbrechung der Erdgaslieferungen an die Ukraine hat, auch wenn sie vorhersehbarer Weise schon bald endete, ernste Zweifel an Wladimir Putins Kompetenz geweckt. Und dies ausgerechnet in einem Augenblick, der ihm die Weltstellung eingebracht zu haben schien, die er für das neue Russland erstrebt.

Ihm wurde nämlich gerade der Vorsitz der G 8, der Plattform der führenden Industriestaaten, übertragen, und schon bald wird er dem Jahrestreffen der – politisch und wirtschaftlich – Großen dieser Welt präsidieren.

Streng genommen verdient Russland die Mitgliedschaft in dieser Gruppe gar nicht, da es nicht zu den acht führenden Wirtschaftsmächten zählt. Man zog das Land hinzu, um es zu weiteren wirtschaftlichen und politischen Reformen zu ermuntern, aber auch in Anerkennung seiner hergebrachten Großmachtrolle und seines strategischen Militärpotentials.

Putins Versuch, die Ukraine für ihre Orange Revolution und ihre Beitrittsambitionen in Richtung NATO und EU abzustrafen, entbehrt an sich nicht der Logik. Warum sollte Moskau die Ukraine weiterhin zu Vorzugspreisen mit Energie versorgen, wenn Kiew sich von Russland abwendet und neue Bündnisse im Westen sucht?

Die Revolution in Orange wurde zum großen Teil von amerikanischen NGOs propagiert, finanziert und politisch gestützt, von denen viele mitteloder sogar unmittelbar in Verbindung zur US-Regierung stehen.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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