Ausgabe Oktober 2006

Börsenpoker in Europa

Im Dezember wird es zur entscheidenden Kraftprobe bei der größten europäischen Aktienbörse Euronext kommen. Dann werden die Aktionäre, Banken, Händler und Hedgefonds darüber abstimmen, ob sie ihr Unternehmen mit der weltgrößten Börse, der New York Stock Exchange (NYSE), fusionieren. Hatte der Vorstand dies bereits im Mai beschlossen, formiert sich mittlerweile Opposition: Sowohl die französische Regierung als auch etliche Hedgefonds, wie beispielsweise The Children’s Investment (TCI), sprechen sich gegen die Fusion aus und wollen Euronext lieber mit der Deutschen Börse verschmelzen. Frankreich versucht es mit politischem Druck, der Eigentümer von TCI, Chris Hohn, der zehn Prozent an Euronext hält, will die Gegenseite auf der Hauptversammlung mobilisieren.

In den 15 Jahren seit 1990 hat der Aktienhandel weltweit auf das Neunfache, in Europa auf fast das Zwölffache zugenommen. Er ist damit weit stärker gestiegen als die Weltproduktion und der internationale Handel mit Gütern und Dienstleistungen. Im Jahre 2005 wurden die Umsätze des Spitzenjahres während der Spekulationsblase zum Beginn dieses Jahrzehnts erstmals wieder übertroffen. Ein knappes Drittel des weltweiten Gesamtumsatzes entfiel 2005 dabei auf europäische Börsen; 1990 hatte dieser Anteil noch bei einem knappen Viertel gelegen. (Zur Ansicht der Tabelle öffnen Sie bitte die pdf.

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.