Ausgabe November 2007

Adenauers Urenkelin

Nachdem die SPD soeben in Hamburg ihr neues Parteiprogramm verabschiedet hat, wird die CDU es ihr in einem Monat in Hannover gleichtun. Doch was der SPD erst nach schweren Mühen und diversen Rückrufaktionen gelang, dürfte die Union spielend bewerkstelligen – in großer Geschlossenheit ein Programm zustande zu bringen, um dieses umgehend wieder zu vergessen. Viel zu sehr wird in der CDU alles dem Pragmatismus des Regierungshandelns untergeordnet, als dass ihr gegenwärtiges Parteiprogramm „Freiheit in Verantwortung“ aus dem Jahre 1994 heute noch irgendeine Rolle spielte.

Dass der Union die Programmverabschiedung derartig leicht fällt, basiert jedoch nicht nur auf den unterschiedlichen Traditionen beider Parteien, sondern vor allem auf der gegenwärtigen Situation. Die Voraussetzungen könnten unterschiedlicher kaum sein: Während die SPD seit Monaten im 20- Prozent-Keller steckt, rangiert die Union gut zehn Prozentpunkte über ihr.1 Eine Bilanz nach gut zwei Jahren großer Koalition, die mehr als erstaunlich ist – angesichts eines Wahlausgangs, der für die Union ein Debakel bedeutete. Bekanntlich erreichte die Kandidatin mit nur 35 Prozent der Stimmen und hauchdünnem Vorsprung auf Gerhard Schröder geradeso ihr Minimalziel, nämlich die eigene Kanzlerschaft, trotz zeitweilig horrender Umfragemehrheiten für Schwarz-Gelb.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema