Ausgabe Januar 2008

Kurdistan im Fadenkreuz

Der Konflikt um die kurdische Arbeiterpartei PKK scheint nach dem Treffen zwischen dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush Anfang November an Schärfe verloren zu haben. Die Vereinigten Staaten haben offenbar, zumindest einstweilen, einen Großangriff der türkischen Armee – der ihr strategisches Ziel, Stabilität im Irak zu schaffen, unterlaufen hätte – im letzten Moment verhindert. Die irakische Regierung unter Nuri al-Maliki, die viel Verständnis für das Anliegen der Türkei zeigte, muss nun kein Zerwürfnis mit ihrem kurdischen Koalitionspartner fürchten, und auch die kurdische Regionalregierung von Erbil scheint durch ihr kooperatives Verhalten zur Deeskalation des Konfliktes beizutragen.

Was also wurde im Rahmen der Konfliktregulierung bei den Gesprächen in Washington Anfang November vereinbart? Die USA erklärten sich bereit, den türkischen Verbündeten mit Informationen über geplante Angriffe der PKK zu versorgen. Zudem darf die türkische Armee allem Anschein nach auch Luftangriffe gegen die Stellungen der PKK unternehmen.1 Wenn es notwendig sein sollte, scheinen zudem, wie die Aktionen der türkischen Armee Anfang Dezember zeigten, begrenzte Kommandoaktionen der türkischen Armee in Irakisch-Kurdistan erlaubt zu sein.

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