Ausgabe Dezember 2009

Utopie und Anti-Utopie

Das Prinzip Hoffnung im kosmopolitischen Zeitalter

Die Verleihung eines Preises, der im Namen eines großen Denkers gestiftet wird, bringt den Preisträger unmittelbar in die Position, über mögliche Affinitäten, gar Einflüsse nachzudenken, die das Werk dieses Denkers auf die eigene Arbeiten ausgeübt hat. In meinem Fall war das nicht sonderlich schwer: Mein erstes Buch, „Critique, Norm and Utopia: A Study of the Foundations of Critical Theory“, das 1986 in englischer Sprache erschienen und 1992 ins Deutsche übersetzt worden ist, endet mit folgenden Worten Ernst Blochs: „Das Problem eines Erbes am klassischen Naturrecht ist suo modo ebenso dringend, wie es dasjenige an sozialen Utopien war. Soziale Utopien und Naturrecht hatten ein sich ergänzendes Anliegen im gleichen humanen Raum; getrennt marschierend, leider nicht vereint schlagend […]. Die Sozialutopie ging auf menschliches Glück, das Naturrecht auf menschliche Würde. Die Sozialutopie malte Verhältnisse voraus, in denen die Mühseligen und Beladenen aufhören, das Naturrecht konstruierte Verhältnisse, in denen die Erniedrigten und Beleidigten aufhören.“1 Was an der zitierten Stelle von so zentraler Bedeutung ist, ist das Insistieren auf den Begriff der Utopie – und das gerade trotz des Niedergangs der „Philosophie des singulären Kollektivsubjekts“. Lassen Sie mich meine Perspektive hierzu im Folgenden erläutern.

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